Die sächsischen Fußballvereine kämpfen an vorderster Front, wenn es um ihre Darstellung
in den regionalen Medien geht.
Wie bewerten die sächsischen Fußballvereine die Berichterstattung über ihren Sport? Dazu befragte t+f Peter Höhne, Pressesprecher beim FC Erzgebirge Aue, Enrico Barth, Marketing-Beauftragter des Vereins, Peter Tauber, Verantwortlicher für Medien und Kommunikation bei Dynamo Dresden sowie Steffen Kubald, den ersten Vorsitzenden des 1. FC Lokomotive Leipzig. Der FC Erzgebirge und Dynamo spielen in der Zweiten Bundesliga, Lokomotive Leipzig in der Bezirksklasse.
themen + frequenzen: Welche Veränderungen erwarten Vereine beim Aufstieg in die nationale Ebene?
Tauber: Nach dem Aufstieg wird alles größer und überregionaler. Das bedeutet auf der einen Seite mehr Aufwand, ist aber auch eine große Chance für den Verein, sich bundesweit zu präsentieren. Und natürlich ist es auch für die Geldgeber eines Vereins eine wichtige Größe, da präsent zu sein.
Barth: Für uns war es eine ganz andere Dimension, in die wir nach dem Aufstieg reingerutscht sind: In der Regionalliga haben regionale Medien und dritte Programme über uns berichtet – heute laufen wir deutschlandweit. Unser Verein musste darauf erst einmal reagieren: Um die strengen Auflagen der Deutschen Fußballliga (DFL) zu erfüllen, mussten wir die technischen Voraussetzungen für die Reporter zum Bearbeiten und Senden ihres Materials erst schaffen.
themen + frequenzen: Herr Kubald, wie betreibt man Öffentlichkeitsarbeit, wenn man von den Ligen, in denen FC Erzgebirge und Dynamo spielen, Lichtjahre entfernt ist?
Kubald: Wir haben bei der Übernahme der Vereinsgeschäfte 2004 ganz unten angefangen. Seitdem geht es nur bergauf. Unser Verein hat Kultstatus unter den Fans, Werbung ist da nicht nötig. Ich kann mir aber vorstellen, dass das in höheren Ligen dann notwenig wird. Was mir allerdings auffällt, ist die Tendenz bei Reportern, ausgiebige Berichterstattung nur bei Negativereignissen durchzuführen.
Barth: Die „Medienschelte“ bei schlechter Leistung ist doch aber legitim – man steht schließlich im Fokus. Vor allem, wenn man in der zweiten Bundesliga spielt. Damit müssen wir umgehen können. Allerdings lässt sich nicht bestreiten, dass der Druck, der durch die Berichterstattung entsteht, Auswirkungen auf das Team hat.
Höhne: Die Boulevardisierung der Berichterstattung nimmt zu. Seit wir in der zweiten Bundesliga spielen, interessiert es die Medien zum Beispiel plötzlich, dass unser Kapitän Papa wird. So was gab es früher nicht.
Kubald: Das ist es ja: in der Bundesliga geht es nur um Entertainment. Da passiert nichts mehr im Stadion. Das zeigt sich auch an der WM: Die meisten Karten werden von Sponsoren vergeben. Dadurch kommen Leute ins Stadion, die mit Fußball sonst gar nichts zu tun haben, während die echten Fans außen vor bleiben.
themen + frequenzen: Immer mehr Profisportler werden zu Therapiefällen für Psychologen. Sind die Stars zu weich für das Sportgeschäft?
Tauber: Die Spieler haben meist nur dann ein Problem, wenn es in die Privatsphäre geht. Die Reflektierung von schlechten sportlichen Leistungen kann manchmal auch zur Eigenmotivation genutzt werden. Aber der Profi muss sich auch in diesem Bereich professionell verhalten. Wer das nicht will und rot sieht, wenn er eine Kamera vor sich hat, darf nicht Profi-Fußballer werden.
Barth: Man muss die Medien bedienen und ihnen die für ihre Arbeit notwendigen Voraussetzungen schaffen. Denn schließlich kommt nur über die Medien das Geld. Das gilt für den ganzen Verein genauso wie für einzelne Spieler. Sie müssen lernen, damit umzugehen.
Kubald: Die Vereine brauchen die Berichterstattung. Das ist der entscheidende Punkt – auch für die Spieler.