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Das wichtigste Publikationsprojekt der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien ist die kontinuierliche Herausgabe des Magazins "themen + frequenzen". Es erscheint vierteljährlich in einer Auflage von 3.500 Exemplaren. Das 4iMEDIA Journalistenbüro unterstützt die SLM durch die Gesamtproduktion der Zeitschrift.

Dieser Infoblog ist eine reine Textdarstellung ausgewählter Magazininhalte. Sie erreichen die Redaktion über nachfolgende Adresse oder Direktlink zur offiziellen Homepage. Herausgeber ist das 4iMEDIA Journalistenbüro Leipzig. Sie erreichen uns über nachfolgende Adresse oder Direktlink zur offiziellen Homepage.

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4iMEDIA Journalistenbüro Leipzig
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Projektdarstellung

Die Zeitschrift beschäftigt sich mit aktuellen medienpolitischen und medienwirtschaftlichen Themen und reflektiert wichtige Konstellationen zwischen Produzenten, Veranstaltern und Konsumenten von Hörfunk und Fernsehen, u.a. aus juristischer Sicht. Das Magazin berichtet über Entscheidungen des Medienrates und Empfehlungen der Versammlung der SLM. Viele Beiträge haben wichtige Vertreter der privaten wie öffentlich-rechtlichen Medienbranche als Autoren. Die Publikation widmet sich ebenso intensiv lokalen und regionalen Themen wie sie die Aufmerksamkeit der Leser auf die Medien in Deutschland und Europa lenkt. Sie ist kostenlos über die SLM zu beziehen

Start zur Vernetzung

Zahlreiche Fernsehveranstalter fanden sich in Leipzig zum symbolischen Startschuss der „Lokalen Vielfalt überAll“ ein.

Digitales Fernsehen und Übertragung per Satellit sind längst keine Zukunftsmusik mehr. Im Gegenteil: Große Fernsehstationen profitieren bereits vom Einsatz von Satelliten. Auch für Lokalfernsehstationen aus Sachsen ist diese technische Innovation nun möglich. Die finanzielle Förderung der SLM ermöglicht es in Zusammenarbeit mit der Sendernetz e.V., den Wunsch vieler Veranstalter, der werbetreibenden Wirtschaft und der Zuschauer nach mehr Aktualität des Programms und schneller Kundenakquise mit dem Projekt „Lokale Vielfalt überAll“ in die Tat umzusetzen. Der symbolische Startschuss dafür fiel am 10. April im Studio 3 von Leipzig Fernsehen. „Wir wachsen mit diesem Projekt zusammen“, bekräftigte der Vereinsvorsitzende von Sendernetz e.V., Christian Wiesner, während er zusammen mit dem Vizepräsidenten des Medienrates der SLM, Dr. Uwe Grüning den „roten Knopf“ drückte.

Damit ist zweierlei vollbracht – die Verbindung zum Satelliten „EutelSat“ und die Eröffnung der Programmbörse. Virtuelle Interaktion ohne Grenzen ist nun dank der Programmbörse möglich, denn Lokalveranstalter können 24 Stunden täglich auf die Plattform im Internet zugreifen. Ein Breitband-Internetanschluss reicht aus, um die komprimierten Programminhalte einzusehen und einfach herunterzuladen. „What you see, is what you get“ – erst schnuppern dann kaufen – formulierte Frank Mistol, Geschäfsführer von HMS oHG Halle, den Grundgedanken. Seine Firma sorgt für das technische Know-how des Projektes. Doch nicht nur der Download von Berichten aus anderen Regionen erweitert das Spektrum der lokalen Journalisten, auch sie selbst können ihre Beiträge für Kollegen online zur Verfügung stellen. Damit wird nicht nur das Programm vielfältiger und aktueller, sondern auch der Kontakt zu Werbekunden vereinfacht.
Auch die Verbindung zum Satelliten „EutelSat“ trägt zu einer ökonomischen Arbeitsweise bei – schließlich verfügt nicht jede Lokalstation über Breitbandkabel. „Früher war es ein enormer Aufwand, die Sendebeiträge 150 Mal zu kopieren, um diese dann an die Kopfstationen zu verteilen“, erklärte Dr. Grüning den anwesenden Medienvertretern, die aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern angereist waren.

Diese Arbeit übernimmt jetzt der Satellit. Einfach und schnell werden gesendete Berichte über eine Basisstation an die angeschlossenen Sender verteilt – ein Vorgang den die geladenen Gäste auf einer Leinwand symbolisch nachvollziehen konnten. Langsam aber sicher spannte sich das Netz, zumindest virtuell, von Station zu Station und Christian Wiesner ist sich sicher, dass die Lokalität zwar bleibt, die Vielfalt sich jedoch deutlich vergrößert. Lokale Anbieter haben auf diese Weise die Möglichkeit, die Kopfstation per Satellit „anzufunken“ und das Programm mit aktuellen Beiträgen zu beleben. Damit ist auch für regionale Fernsehsender der Weg in die digitale Zukunft geebnet: über Satellit und Breitbandkabel.

Für viel Diskussionsstoff sorgt das Thema der Wirtschaftlichkeit sowohl der Vernetzung von Kopfstellen wie auch der Programmbörse. „Wir streben eine Kostenersparnis an, die sich langfristig bezahlt macht“, sicherte Dr. Grüning den Gästen zu. „Die wirtschaftlichen Ängste sind damit vollkommen unbegründet.“ Die digitale Innovation soll für Lokalanbieter nicht in einer finanziellen Sackgasse enden, sondern den Weg in die Zukunft mit vernünftigen Kostenmodellen realisierbar machen. Eine Erleichterung für die anwesenden Fernsehveranstalter, denn auch der Zugriff auf die virtuelle Programmbörse ist mit bestehender Software möglich.

„Da Unternehmer auf Hilfe angewiesen sind, unterstützt die SLM die Anlaufphase mit einer Förderung in Höhe von 434.400 Euro“, so Dr. Grüning. Die Firma Goldmedia GmbH Berlin begleitet und evaluiert im Auftrag der SLM das Gesamtprojekt. Für sächsische Lokalanbieter ist damit die digitale Übertragung und der Handel über eine Online-Plattform in nahe Zukunft gerückt.

Sportereignisse

Gilt ein Sonderrecht für sportliche Großereignisse? Verfassungsfragen zum Olympiaschutzgesetz kommentiert vom Medienrechtsexperten Prof. Dr. Christoph Degenhart.

Die Spitzenverbände des Profisports wie etwa die FIFA oder das Internationale Olympische Komitee (IOC) stellen durchaus dezidierte Forderungen, was den Schutz ihrer ideellen wie materiellen Interessen betrifft, wenn es darum geht, Großereignisse an ein Land zu vergeben. Die staatlichen Autoritäten der Gastgeberländer sind ihrerseits durchaus geneigt, Entgegenkommen zu zeigen, wenn Sonderrechte beansprucht werden, und ggf. auch rechtliche Bedenken zurückzustellen. Dies zeigt der aktuelle Markenstreit im Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Dies zeigt auch ein Vorgang im Zusammenhang mit der Bewerbung der Stadt Leipzig für die Olympischen Spiele 2012: Der sondergesetzliche Schutz für olympische Begriffe und Symbole durch das Olympiaschutzgesetz vom 31. März 2004.

Das Olympiaschutzgesetz: Anlass und Inhalt
Bekanntlich will das IOC Olympische Spiele nur in Länder vergeben, die ihm einen gesetzlichen Schutz der olympischen Symbole und der olympischen Bezeichnungen durch Ausschließlichkeitsrechte und damit auch das Recht zu deren exklusiven Vermarktung garantieren. Deshalb bedurfte es aus der Sicht der Bundesregierung „eines sondergesetzlichen Schutzes, um deutschen Städten die Bewerbungschancen für die Ausrichtung olympischer Spiele zu erhalten“. Dem dient das Olympiaschutzgesetz. Es begründet ein ausschließliches Recht auf die Verwendung und Verwertung des olympischen Emblems sowie der maßgeblichen olympischen Bezeichnungen für das NOK Deutschland und das IOC. Der gesetzliche Schutz erstreckt sich z.B. auf die Begriffe „Olympiade“, „Olympia“ und „olympisch“. Dritten ist es weitgehend untersagt, ohne Zustimmung der Schutzrechtsinhaber diese Begriffe im Geschäftsverkehr zu gebrauchen. Der Gesetzgeber schreibt also vor, wer bestimmte Begriffe aus dem allgemeinen Sprachgebrauch in welcher Weise verwenden darf. Darum geht es ja auch im aktuellen Streit um Markenrechte im Zusammenhang mit der Fußball-WM. Die Sprache aber ist die unmittelbarste Ausdrucksform der Person und ist die Grundlage jeglicher Kommunikation. Eingriffe in die Freiheit der Sprache bedeuten deshalb stets auch Eingriffe in grundrechtliche Freiheit – es geht um die Freiheiten individueller Kommunikation und ganz maßgeblich auch um die Freiheit der Medien.

Berichterstattungsfreiheit der Medien?
Immerhin, an die Freiheit der Medien hat der Gesetzgeber gedacht. Denn nach der Gesetzesbegründung soll die journalistische Berichterstattung über die Olympischen Spiele auch weiterhin ohne Zustimmung der Rechteinhaber zulässig sein. Und ebenso soll es auch weiterhin zulässig bleiben, sich in der Kunst, Literatur und Wissenschaft mit den Olympischen Spielen zu befassen. Dies scheint mir bezeichnend zu sein: In welcher Vorstellungswelt müssen sich die Initiatoren des Gesetzes eigentlich bewegen, wenn sie die Selbstverständlichkeit freier Berichterstattung über Olympische Spiele und freier wissenschaftlicher Forschung eigens glauben betonen zu müssen?Im Übrigen ist die Bereichsausnahme zugunsten Rundfunk und Presse in § 3 des Gesetzes keineswegs eindeutig gefasst, wie ja auch im Zusammenhang mit der Fußball-WM die bestehende Rechtsunsicherheit grundrechtlicher Freiheit abträglich ist – Verfassungsrechtler sprechen hier vom chilling effect drohender Sanktionen. So sind auch einzelne Tatbestände in rechtsstaatlich bedenklicher Weise unbestimmt, wenn etwa in § 3 des Gesetzes von der Beeinträchtigung der „Wertschätzung der Olympischen Spiele oder der Olympischen Bewegung“ die Rede ist.

Fehlende Gemeinwohlorientierung
Das Landgericht Darmstadt, das in einem Urteil vom 22.11.2005 erhebliche Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes anmeldet, hat hierzu übrigens eine dezidierte eigene Auffassung, wenn es in erfrischender Offenheit von der „Dominanz kommerzieller Interessen“ spricht, von „inflationärem Doping“ und „Gigantismus“. Wie immer man diese Begleiterscheinungen bewerten mag – den verfassungsrechtlichen Bedenken des Landgerichts gegen das Olympiaschutzgesetz ist beizutreten. Es verfehlt letztlich eine Grundanforderung an das Gesetz im republikanischen, demokratischen Rechtsstaat: die Orientierung am Gemeinwohl. Ein Sondergesetz, das der Allgemeinheit den Gemeingebrauch an Bezeichnungen und Symbolen entzieht, die zum sprachlichen und kulturellen Gemeingut gehören, um diese einzelnen, namentlich benannten Organisationen zuzuweisen, ist das Gegenteil eines gemeinwohlorientierten Gesetzes.

Drama im Fussball

Im Rahmen der „Football & Media Conference 2006“ sucht Prof. Dr. Hans-Jörg Stiehler nach dem Bühnenpotential des Sports.

themen + frequenzen: Prof. Dr. Stiehler, bei aller Fußballbegeisterung: Warum braucht es eine wissenschaftliche Konferenz über Fußball in den Medien? An Fußball lässt sich die ganze Welt erzählen! Fußball ist ja nicht bloß ein Spiel. Fußball erzählt Geschichten, globale Geschichten. Tragik und Komik liegen, wie in jedem Drama, sehr nah beieinander. Fußball ist also eher modernes Theater. Und ein Thema allemal. Denn die öffentliche Konzentration des Sports und die mediale Einflussnahme hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Globale Berichterstattung ist heutzutage an der Tagesordnung. Dadurch sind Sportler natürlich auch einem gewissen Druck ausgesetzt, ihr Privatleben zu großen Stücken mit der Öffentlichkeit teilen zu müssen.

themen + frequenzen: Sponsoren pumpen Millionen in diesen Sport. Medien zahlen Tausende für Übertragungsrechte. Wie authentisch bleibt der Fußball da? Der Sport ist öffentlichkeitsbedachter geworden. Man kann ihn vielleicht heute als Unterhaltungsdienstleister bezeichnen. Sport finanziert sich durch die Medien, das bedeutet im Umkehrschluss, dass das Geschäft auch über dem sportlichen Erfolg stehen kann. Dann wird es kritisch, denn wer die Einstellung vertritt „Hauptsache die Kasse stimmt“ verkennt den sportlichen Grundgedanken. Und auf den kommt es ja schließlich an.

themen + frequenzen: Ist das Senden von Sport heute in erster Linie Profitgier oder doch ein Kulturereignis? Fußball war schon immer sehr präsent in den Medien. Heutzutage wird hierbei allerdings viel mehr Wert darauf gelegt, dass Wirtschaftskraft dahinter steht. Dadurch steigt natürlich auch die gesellschaftliche Verantwortung – Kommerz und Sport produzieren Leitbilder. Und eben diese können auch mal scheitern, nur dass dies auf einem höheren Niveau stattfindet. Hierbei müssen Regeln eingehalten werden, denn alle scheitern gelegentlich, das ist nichts Besonderes. Dass der Fußball an sich davon unberührt bleiben sollte, steht außer Frage.

themen + frequenzen: Wie werden Sie diese Themen auf Ihrer Konferenz im Juni behandeln? Fußball wird als globaler Geschichtenerzähler auftreten, es gibt nationale und internationale Geschichten. Wir erhoffen uns, Konstanten im Fußball zu finden, die über alle Länder hinweg gleich sind. Wir freuen uns auf spannende und tragische Geschichten. Es wird auch einen theoretischen Block geben, der das Theatralische wissenschaftlich belegt. Denn Fußball an sich ist schon ein Phänomen, welches in seinem Kern Millionen begeistert. Damit wird es zu einer soziologischen Besonderheit. Dass dabei ein gewisses wirtschaftliches Potential besteht, gilt es ebenso zu analysieren, wie die gesellschaftliche Verantwortung, die dahinter steht.

Druck der Medien waechst

Die sächsischen Fußballvereine kämpfen an vorderster Front, wenn es um ihre Darstellung
in den regionalen Medien geht.

Wie bewerten die sächsischen Fußballvereine die Berichterstattung über ihren Sport? Dazu befragte t+f Peter Höhne, Pressesprecher beim FC Erzgebirge Aue, Enrico Barth, Marketing-Beauftragter des Vereins, Peter Tauber, Verantwortlicher für Medien und Kommunikation bei Dynamo Dresden sowie Steffen Kubald, den ersten Vorsitzenden des 1. FC Lokomotive Leipzig. Der FC Erzgebirge und Dynamo spielen in der Zweiten Bundesliga, Lokomotive Leipzig in der Bezirksklasse.

themen + frequenzen: Welche Veränderungen erwarten Vereine beim Aufstieg in die nationale Ebene?

Tauber: Nach dem Aufstieg wird alles größer und überregionaler. Das bedeutet auf der einen Seite mehr Aufwand, ist aber auch eine große Chance für den Verein, sich bundesweit zu präsentieren. Und natürlich ist es auch für die Geldgeber eines Vereins eine wichtige Größe, da präsent zu sein.

Barth: Für uns war es eine ganz andere Dimension, in die wir nach dem Aufstieg reingerutscht sind: In der Regionalliga haben regionale Medien und dritte Programme über uns berichtet – heute laufen wir deutschlandweit. Unser Verein musste darauf erst einmal reagieren: Um die strengen Auflagen der Deutschen Fußballliga (DFL) zu erfüllen, mussten wir die technischen Voraussetzungen für die Reporter zum Bearbeiten und Senden ihres Materials erst schaffen.

themen + frequenzen: Herr Kubald, wie betreibt man Öffentlichkeitsarbeit, wenn man von den Ligen, in denen FC Erzgebirge und Dynamo spielen, Lichtjahre entfernt ist?

Kubald: Wir haben bei der Übernahme der Vereinsgeschäfte 2004 ganz unten angefangen. Seitdem geht es nur bergauf. Unser Verein hat Kultstatus unter den Fans, Werbung ist da nicht nötig. Ich kann mir aber vorstellen, dass das in höheren Ligen dann notwenig wird. Was mir allerdings auffällt, ist die Tendenz bei Reportern, ausgiebige Berichterstattung nur bei Negativereignissen durchzuführen.

Barth: Die „Medienschelte“ bei schlechter Leistung ist doch aber legitim – man steht schließlich im Fokus. Vor allem, wenn man in der zweiten Bundesliga spielt. Damit müssen wir umgehen können. Allerdings lässt sich nicht bestreiten, dass der Druck, der durch die Berichterstattung entsteht, Auswirkungen auf das Team hat.

Höhne: Die Boulevardisierung der Berichterstattung nimmt zu. Seit wir in der zweiten Bundesliga spielen, interessiert es die Medien zum Beispiel plötzlich, dass unser Kapitän Papa wird. So was gab es früher nicht.

Kubald: Das ist es ja: in der Bundesliga geht es nur um Entertainment. Da passiert nichts mehr im Stadion. Das zeigt sich auch an der WM: Die meisten Karten werden von Sponsoren vergeben. Dadurch kommen Leute ins Stadion, die mit Fußball sonst gar nichts zu tun haben, während die echten Fans außen vor bleiben.

themen + frequenzen: Immer mehr Profisportler werden zu Therapiefällen für Psychologen. Sind die Stars zu weich für das Sportgeschäft?

Tauber: Die Spieler haben meist nur dann ein Problem, wenn es in die Privatsphäre geht. Die Reflektierung von schlechten sportlichen Leistungen kann manchmal auch zur Eigenmotivation genutzt werden. Aber der Profi muss sich auch in diesem Bereich professionell verhalten. Wer das nicht will und rot sieht, wenn er eine Kamera vor sich hat, darf nicht Profi-Fußballer werden.

Barth: Man muss die Medien bedienen und ihnen die für ihre Arbeit notwendigen Voraussetzungen schaffen. Denn schließlich kommt nur über die Medien das Geld. Das gilt für den ganzen Verein genauso wie für einzelne Spieler. Sie müssen lernen, damit umzugehen.

Kubald: Die Vereine brauchen die Berichterstattung. Das ist der entscheidende Punkt – auch für die Spieler.

Primat des Kommerzes

Vermarkter gewinnen immer mehr Einfluss auf den Sport. Dr. Michael Kölmel meint, dass dennoch beides zusammengeht.

VON DEN FANS immer stärker moniert – von den Verantwortlichen immer energischer gefordert: Kommerz im Sport. Das fragile Verhältnis von Leistungssport und der dahinter stehenden Finanzierung befindet sich im Wandel. Indizien dafür sind die in bislang ungekannte
Dimensionen steigenden Gehälter der Spieler und Manager, die teils astronomisch teuren Spielstätten und die „Eventisierung“ der Sportveranstaltungen durch alle Lager hinweg. Die Stimmen häufen sich, die den Veranstaltern vorwerfen, nicht das Sportereigniss stehe im Vordergrund, sondern das Rahmenprogramm – und somit letztlich die Möglichkeit für Sponsoren, sich zu präsentieren. Verkommt Sport also zum Vehikel für Marketing-Botschaften von Konzernen und zur Geldquelle findiger Vermarkter?

Dr. Michael Kölmel, Mitbegründer der Kinowelt AG, sieht die Hauptrolle trotz all dieser Symptome immer noch beim Sport: „Der Fußball beispielsweise ist noch immer eine Sportart in unserer Kultur, die eine breite Mehrheit interessiert, begeistert und bewegt – nicht nur in
Deutschland, sondern, wie wir gerade bei den Vorbereitungen zur WM sehen, weltweit. Gegen negative Auswüchse im organisierten Sport müssen sich aber alle, die dem Fußball verbunden sind, nachdrücklich wehren.“ Kölmel selbst hat in der Vergangenheit ein Vermögen in
Traditionsclubs wie den FC Sachsen Leipzig oder dessen Lokalrivalen VfB Leipzig gesteckt. Aus altruistischen Beweggründen oder des Geldes wegen? „Da treffen persönliche Sportbegeisterung und wirtschaftliche Überlegungen zusammen. Auch Fußballclubs werden nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen geführt und benötigen eine Finanzierung“, so Kölmel.

Bei allem Altruismus: Die zunehmende Kommerzialisierung
im Sport scheint aktuell gerade bei der WM neue Rekorde zu erreichen. Das beginnt bei den teils erschreckend kleinlichen Auslegungen der eigenen Werberegularien durch die FIFA und endet nicht einmal beim oft bemängelten Umgang mit den Fans schon im Vorfeld der WM. Viele sind enttäuscht, der FIFA einen „Kredit“ gewähren zu müssen, um nur die Chance auf den Erwerb von Karten zu bekommen. Andere stört die schier übermächtig wirkende Gegenwart der Sponsoren. So werden für die WM ganze Stadien umbenannt, unerwünschte Logos einfach überklebt – und nicht zuletzt passt es vielen Fans nicht, dass zur WM in deutschen Stadien voraussichtlich nur amerikanisches Bier ausgeschenkt werden darf.

Für Kölmel, der sich um Millionenbeträge geprellt fühlt, da die Deutsche Fußball Liga angeblich TV-Erlöse an seiner Firma Sportwelt vorbei direkt an die Vereine gezahlt habe, dagegen ist es der Sport, der oft von der Fremdfinanzierung abhängig ist. Die Mechanismen seien denen
der übrigen Finanzwelt ähnlich: „Die Sportwelt Beteiligungsgesellschaft als Tochter der Kinowelt, hat in Clubs mit positiven Zukunftsperspektiven investiert und wurde im Gegenzug an der Rechtevermarktung beteiligt. Das damit verbundene Risiko ist, wie bei jedem anderen
Investment auch, gut kalkulierbar. Allerdings würde ich mich heute noch sehr viel stärker darum kümmern, dass die eingesetzten Geldmittel auch verwendet werden, wofür sie bestimmt waren. Das erhöht schließlich auch die Effizienz der unterstützten Clubs.“

Boulevard im Sport

Dr. Ulf Tippelt, Generalsekretär des Landessportbundes Sachsen, über die Entwicklung der
Sportberichterstattung.

themen + frequenzen: Dr. Tippelt, wie hat sich die Sportberichterstattung in den letzten Jahren entwickelt? Heutzutage wird viel größerer Wert auf einzelne Persönlichkeiten gelegt. Ein Bastian Schweinsteiger oder ein Lukas Podolski zum Beispiel sind sehr oft auch ohne Verbindung zum Fußball in den Schlagzeilen. Dieser Mix aus Sport und Boulevard bringt eine komplizierte Entwicklung mit sich: Aus dem typischen Infotainment des Sports ist ein Entertainment geworden, das sehr stark von Personen abhängig ist. Leider lässt die Professionalität in der Sportberichterstattung oftmals zu wünschen übrig. Öffentlich-rechtliche Anstalten wie auch Redaktionen von großen Zeitungen haben sehr gut geschulte Sportredakteure. Schwierig wird es bei den kleineren, finanzschwachen Medien. Diese haben zum Teil weder die Tiefgründigkeit noch die sportliche Kenntnis für eine gewichtete und umfassend wahrheitsgetreue Berichterstattung.

themen + frequenzen: Und das hat Einfluss auf die Qualität. Doch selbst die Sportreporter großer Medien müssen sich ja inzwischen Oberflächlichkeit und Unprofessionalität vorwerfen lassen. Gerechtfertigterweise? In manchen Fällen sicher. Was aber aus meiner Sicht in
punkto Sportberichterstattung noch bedauernswerter ist als die oftmals fehlende Professionalität ist die fehlende Berichterstattung überhaupt – wenn es nämlich
um die Vielfalt der Sportarten und um regionalen Sport geht. Im Fußball, der in der Regel sowieso schon die meisten Sportarten aus der Berichterstattung verdrängt, finden sich überregional nur erste und zweite Bundesliga – und der Rest wird maximal im Lokalteil
abgefrühstückt. Glücklicherweise ist der lokale Markt in Sachsen mit seinen zahlreichen Radio- und TV-Stationen recht gut ausgeprägt.
themen + frequenzen: Letztendlich geben die Medien doch nur den Massen, was die Massen wollen... Wenn es um Massenwirksamkeit geht, sicher, dann ist die Boulevardisierung nachvollziehbar. Aber dem Sport hilft das nichts, und den Sportlern selbst erlegt es einen
Druck auf, an dem mancher scheitert. Denn neben privaten Inhalten werden Teamzwänge, Trainingsalltag oder psychische Probleme von den Medien aufgegriffen und boulevardisiert. Um die Sportler darauf vorzubereiten, werden Medienberater in den Vereinen immer wichtiger,
wodurch das Beratergeschäft in dieser Branche stark zugenommen hat. Das Sportmanagement ist heutzutage aber auch viel professioneller und die Medienvorbereitung
hat sich dahingehend mitentwickelt.

themen + frequenzen: Angesichts dieser Entwicklung: Sind Sportler heute mehr als nur Athleten – sind sie Stars oder gar gesellschaftliche Vorbilder? Ja und nein. Denn es gilt nur für bestimmte, eben massentaugliche Sportarten, dass der Medienhype dazu führt, dass die Sportler als Stars wahrgenommen werden. Der Hype geht oft vorrangig von den Sponsoren
aus, die sich gern mit den „Gesichtern“ erfolgreicher Sportler schmücken. So stehen mittlerweile auch Sportler aus Randsportarten mit ihren regionalen Förderern
zunehmend unter diesem medialen Druck.

themen + frequenzen: Bei all der Kommerzialisierung: Ist der Sport heute überhaupt noch ein Kulturgut? Sport ist grundsätzlich Kulturgut. In einigen wenigen Bereichen, die allerdings die Medien dominieren, ist er inzwischen reines Wirtschaftsgut. Wenn es beispielsweise Sportberichte verschlüsselt auf Premiere zu sehen gibt, dann ist das bedauerlich, da ein Großteil der Fans ausgeschlossen ist. Durch diese neuen Formen der sportlichen Mediatisierung wird der wirtschaftliche Einfluss immer größer, wobei ich einen direkten Einfluss auf das Fußballspiel für wenig wahrscheinlich halte. Anders ist es in kleineren Sportarten. Beispielsweise wurden im
Biathlon völlig neue Wettkampfformen kreiert, um fernsehgerecht zu werden.

Mehr Querdenker

Prof. Dr. Günter Bentele, Leiter der PR-Ausbildung an der Uni Leipzig, sieht PR im Wachstum.

ER IST VON der Deutschen Gesellschaft für Public Relations (DGPR) zum „PR-Kopf“ ernannt worden. Prof. Dr. Günter Bentele vom Lehrstuhl Öffentlichkeitsarbeit/PR an der Universität Leipzig. Ein Preis, den herausragende Köpfe jährlich von der DGPR verliehen bekommen. Zur Wahl Benteles für die Auszeichnung im Jahr 2004 trug sicher nicht nur die Forschung des gebührtigen Allgäuers bei – sondern auch sein Engagement in der Lehre. Denn seit zwölf Jahren vermittelt er Semester für Semester dem Mediennachwuchs das A und O der PR-Arbeit. Damit gibt Bentele seinen Studenten das Rüstzeug für das weite Berufsfeld Public Relations mit – und impft sie nebenbei mit seiner ganz eigenen „Denke“: „Die PR braucht junge, unverbrauchte, kreative Köpfe und Querdenker. Sie gestalten das Berufsfeld mit neuartigen Ideen ständig weiter“, ist sich Bentele sicher.

Pfiffigkeit, Innovation sowie ein Gespür für Themen und Trends sind nach Ansicht des Leipziger Professors Grundvoraussetzungen, um die Kommunikation in Unternehmen nachhaltig zu stärken. Für den ehemaligen Volontär der „Ostthüringer Nachrichten“ ist die PR nicht nur ein weites Feld, sondern wird vor allem zunehmend wichtiger. Schließlich müsse sich die Kommunikation der Zeit anpassen und professionell struktiert sein. Das biete auch Journalisten neue Perspektiven. „Die Öffentlichkeitsarbeit muss sich weiter professionalisieren“, lehrt Bentele in seinen Seminaren. Neben der äußeren Tuchfühlung zu Vertretern aus Politik und Wirtschaft erfordern auch die internen Kommunikationsabläufe immer mehr Aufmerksamkeit. Zündstoff für Unternehmen sind Image und Ansehen, die kreative Köpfe nachhaltig beeinflussen können. „Oftmals hilft ein innovativer Schritt, um verstaubte Traditionen abzustreifen und mit einem frecheren, durchdachten Slogan für frischen Wind zu sorgen. Und dafür sind eben echte Querdenker gefragt“, betont der 58-Jährige.

PR-Praktiker, so Benteles Anspruch, müssen trotz der enormen Informationsflut sensibel sein für neue Trends und Tendenzen. Das fordert er auch seinen Studenten ab. Und er geht noch weiter: Um der Bedeutung gerecht zu werden, die Kommunikationsstrategien heute und
zukünftig in der Gesellschaft einnehmen, müsse der PRJob zur Berufung werden. Zahlreiche Forschungen und Publikationen Benteles nehmen darauf Bezug. Dabei steht das Berufsfeld PR im Vordergrund. Aktuell ergab sich dazu eine interessante Feststellung, die vor allem die Studentinnen im PR-Bereich interessieren dürfte: Immer mehr Frauen sind in dieser Sparte tätig. „Rund 40 Prozent der Pressesprecher sind heute schon weiblich“, stellt der Professor in einer aktuellen Studie zum Thema „Profession Pressesprecher: Vermessung eines Berufsstandes“ fest. Bei den Studierenden sind es sogar 70 Prozent. Doch nicht nur das „richtige“ Geschlecht spielt eine Rolle: Wer im PR-Bereich erfolgreich sein will, müsse
zudem Fremdsprachen sehr gut beherrschen. „Schließlich erstreckt sich der Boom der Branche nicht nur auf den deutschen Sprachraum“, erklärt der PR-Experte.

Benteles Forderung nach kreativen und intellektuellen Querdenkern kommt übrigens nicht von Irgendwo her – sondern ist direkt auf seinen persönlichen Weg zurück zu führen: Nach praktischen Erfahrungen in klassischen Medien und Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter
an der FU Berlin etablierte er sich nicht nur als Kommunikationswissenschaftler, sondern auch als PR-Experte. Neben dem täglichen Kontakt zu Studenten wirft der Vater zweier Kinder auch gern einen umfassenden Blick auf den Nachwuchs der Kommunikationsbranche – durch den Beisitz in Jurys und Gremien. Und mit seinem Posten an der Universität Leipzig betreut er den bislang einzigen eigenen Lehrstuhl für Öffentlichkeitsarbeit an einer deutschen Hochschule. Verewigt hat Bentele seine Erkenntnisse in rund 30 Büchern und mehr als 140 Fachaufsätzen.
Eine kurze Pause gönnt sich der Professor nur am Klavier oder bei Klängen der Beatles und der Rolling-Stones.

monitor und Fakt im Regal


DIE ERST JETZT ENTDECKTE Schleichwerbung im öffentlichrechtlichen Glashaus erregt die Gemüter von Fundamentalisten transparenter Strukturen. Die verfluchte Versuchung eben, genau das zu machen, was verboten ist! Das hat natürlich auch etwas mit den Preisen zu tun. Die Gebühren reichen scheinbar nicht dafür aus, für die Schleichwerber nachhaltiges Futter - oder Gift - hinzulegen, um dem Schleichen das Handwerk zu legen. Dann muss die Versuchung eben ausgeschlossen werden: Man kann den Marienhof ja auch in vier weißen kahlen Wänden (Farbe von Baumarkt Buhr!) spielen lassen, die Schauspieler mit dem Dürftigsten (aus der Boutique Jasmin), Werbeflächen vermeidend, bekleiden.

Eine ganz andere Variante zur Bekämpfung der Schleichwerbung (bisher von der bekannten Agentur Bolz & Fans gemanagt) ist die Entscheidung, den Spieß einfach umzudrehen: Warum nicht die ARD in eine Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Werbeanstalten Deutschlands (AWD) umbenennen? Zwischen Wäschetrocknern (Marke Sonnenschein, für jeden Pflicht), Massagegeräten (Marke Kraft, sehr wirkungsvoll und preiswert) und einem Goldring mit Kieselstein (nur noch wenige Exemplare!) erhält der Produktmoderator das Blatt mit den aktuellen Nachrichten herein gereicht. Deren Inhalt kann geschickt und möglichst für die Zuschauer nicht auffällig in die Produktbotschaften gesteckt werden. Herr Wickert moderiert jeden Tag zwischen den Regalen einer anderen Filiale der Kaufhauskette Tal-Markt die Beiträge zur Weltpolitik, zu denen in das Medienkaufhaus Pluto umgeschaltet wird.

Frau Christiansen kann allsonntäglich in einem Whirlpool auftreten beziehungsweise aufsitzen (in denen der Firma Sprudel ist es besonders bequem!) und erörtert während solchen Wellnessplanschens mit den im Wasser sitzenden Herren Hartz IV und die Mehrwertsteuer. Die Magazine monitor und Fakt lassen sich mit ihren produktnahen Namen sowieso gut als Schleichprogramm verwenden: monitor (Elektronik) und Fakt
(Waschmittel). Wir stehen erst am Anfang der Möglichkeiten.
Caroline

Fester für Meinungen

DIE DISKUSSION um die Sicherung der Meinungsvielfalt im privaten Rundfunk ist in vollem Gange. Kaum eine Sitzung der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) vergeht, ohne dass das Thema in irgendeiner Variante Gegenstand der Tagesordnung wäre. Die Gesamtheit der Landesmedienanstalten hat nach § 36 Abs. 2 Rundfunkstaatsvertrag (RStV) die Aufgabe, mit einer Mehrheit von drei Vierteln, also mit mindestens zwölf Stimmen, zu entscheiden, ob die Regionalfenster bei den beiden bundesweit reichweitenstärksten Programmen den gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Dieses gesetzliche Quorum hat zu der Diskussion geführt, ob die Regelungen des Rundfunkstaatsvertrages noch zeitgemäß sind, müssen doch zumindest einige ostdeutsche Landesmedienanstalten zustimmen, obwohl dort gar keine Regionalfenster bestehen.

Da diese Fenster aber, ebenso wie die Sendezeiten für unabhängige Dritte nach § 31 RStV, Maßnahmen zur "Sicherung der Meinungsvielfalt" sind, könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Meinungsvielfalt im Osten gefährdet sei. Dies wiederum wäre verfassungsrechtlich bedenklich, kann doch das grundgesetzlich begründete medienrechtliche Gebot der Sicherung von Meinungsvielfalt seine Existenzberechtigung sicherlich nicht an der ehemaligen innerdeutschen Grenze verlieren. Meinungsvielfalt wird im Osten hingegen auch ohne Regionalfenster sichergestellt, denn hier hat sich eine einzigartige Lokalfernsehlandschaft herausgebildet. Allein in Sachsen sind derzeit 67 Veranstalter von ortsnahem Fernsehen lizenziert, deren Zuschauerakzeptanz über die Jahre stetig gewachsen ist. Im Bereich der Kooperation der mitteldeutschen Landesmedienanstalten kommen weitere 34 hinzu (Thüringen: 19; Sachsen-Anhalt: 15). Mecklenburg-Vorpommern verfügt über 20 lizenzierte Lokalveranstalter, hinzu kommen zahlreiche Kanäle in und um Berlin sowie in Brandenburg. Diese Veranstalter bringen ihren Zuschauern Informationen aus ihrem unmittelbaren Umfeld auf den Schirm und erfüllen damit eine wesentliche Kommunikationsaufgabe. Sie leisten damit einen unverzichtbaren Beitrag zur Meinungsvielfalt.

Allein: Eine mit den Regionalfenstern vergleichbare Förderung erhalten diese Veranstalter nicht. Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, die aktuellen Regelungen des Rundfunkstaatsvertrages einer kritischen Überprüfung zu unterziehen. Hierbei muss allerdings behutsam und mit Augenmaß vorgegangen werden. Zu Recht wies Manfred Helmes, Direktor der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK), im Rahmen des Medien- Colloqiums 2005 darauf hin, dass die Gefahr besteht, bei zu ungestümer Argumentation die Existenz der westdeutschen Regionalfenster zu gefährden.

Das will niemand. Aber es scheint nicht ausgeschlossen, den Interessen aller Beteiligten gerecht werden zu können. Dies setzt voraus, herauszuarbeiten, welche Partei überhaupt welche Ziele verfolgt, wo lediglich Besitzstände gesichert werden sollen und wo Bewegungsspielraum besteht. Dies macht es erforderlich, dass man sich zusammensetzt und erst einmal eine ehrliche Bestandsaufnahme macht. Die Einsicht, dass das gegenwärtige System einseitig ist und den Osten benachteiligt, wird größer. Es ist zu hoffen, dass auch die Bereitschaft, daran etwas zu ändern, weiter wächst. Die SLM wird ihren Beitrag dazu leisten, das Thema weiter auf der Agenda zu halten.
Martin.Deitenbeck@tf-slm.de

Brief aus Bruessel

FÜR UNRUHE bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten hat die Europäische Kommission - Wettbewerb - mit ihrem Brief an die Bundesregierung vom 03.03.2005 gesorgt. Sie stellt dort unmissverständlich klar, dass sie die Rundfunkgebühren als Beihilfen ansieht - was etwa in der Anhörung zum 8.Rundfunkänderungsstaatsvertrag (RÄnStV) im Sächsischen Landtag von einem der Sachverständigen vehement bestritten wurde und von den Anstalten seit jeher zurückgewiesen wird. Die Kommission bekräftigt insbesondere, dass die Rundfunkgebühr als Übertragung staatlicher Mittel anzusehen ist, da, anders als im Fall der Entscheidung zur Einspeisungsvergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz von 2001, zwischen den begünstigten Rundfunkanstalten und den Gebührenzahlern kein privatrechtliches Austauschverhältnis besteht. Auch das Kriterium der Vorteilsgewährung wird als erfüllt gesehen. Die Gebühren stellen aus der Sicht der Kommission auch nicht lediglich einen Ausgleich für die Erfüllung gemeinwirtschaftlicher Verpflichtungen dar - dies würde nicht unter den Beihilfebegriff fallen.

VERFÄLSCHUNG DES WETTBEWERBS

Die Europäische Kommission bemängelt unter anderem mangelnde Transparenz der Finanzbedarfsermittlung. Mit der Feststellung, dass "die Kriterien, aufgrund derer die KEF die Wirtschaftlichkeits- und Sparsamkeitsmaßnahmen untersucht, nicht auf einer Analyse der Kosten eines durchschnittlichen, gut geführten Unternehmens zu beruhen" scheinen, wird die Sonderstellung des öffentlichrechtlichen Rundfunks im Wettbewerb treffend hervorgehoben. Auch dessen steuerliche Sonderbehandlung wird als Vorteilsgewährung gesehen. Im Ergebnis gelangt die Generaldirektion Wettbewerb daher "zu der (vorläufigen) Auffassung, dass die verschiedenen Finanzierungsmechanismen zugunsten der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten den Wettbewerb verfälschen und den Handel zwischen den Mitgliedstaaten beeinträchtigen."

RUNDFUNKGEBÜHR ALS AUSGLEICH FÜR DIENSTLEISTUNGEN VON ALLGEMEINEM INTERESSE?

Nun bedeutet die Qualifikation der Rundfunkgebühr als Beihilfe noch nicht notwendig deren Unzulässigkeit. Unter den Voraussetzungen des Art. 86 Abs. 2 EG kann sie als Ausgleich für eine von den Rundfunkanstalten zu erbringende Dienstleistung von allgemeinem wirtschaftlichem Interesse gerechtfertigt sein. Dies allerdings setzt eine klare und präzise Definition der Aufgaben der Rundfunkanstalten, deren explizite Beauftragung und eine effektive Kontrolle sowie die Verhältnismäßigkeit des Ausgleichs voraus. Mit der Konkretisierung des Programmauftrags nach § 11 Abs. 1 geht hier der Rundfunkstaatsvertrag in seiner nunmehrigen Neufassung in die gebotene Richtung. Dessen Beachtung wird andererseits eingefordert. Die Kommission sieht zudem für die programmbezogenen Mediendienste auch in dem nach dem 7. RÄndStV zulässigen Rahmen das Kriterium der präzisen Definition nicht erfüllt. Es fehlt nach Auffassung der Kommission auch an einer klaren Beauftragung hinsichtlich der digitalen Kanäle und der Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Erwerb von Sportrechten und der Übertragung von Sportereignissen, die also nicht ohne weiteres und nicht unbegrenzt dem spezifisch öffentlichrechtlichen Programmauftrag zugerechnet werden. Es fehlt aus der Sicht der Kommission zudem an der Erfordernis einer getrennten Buchführung, und es fehlt an hinreichenden Kontrolleinrichtungen. Dies betrifft nicht zuletzt die Beteiligungen der Rundfunkanstalten.

FAZIT: TRANSPARENZ, KLARHEIT, KONTROLLE

Aus gemeinschaftsrechtlicher Sicht werden damit die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten keineswegs an programmlicher Entwicklung noch an wirtschaftlichen Aktivitäten gehindert. Es wird ihnen andererseits aber nicht zugestanden, den öffentlich-rechtlichen Rundfunkauftrag völlig autonom zu definieren und dann dessen Finanzierung durch Gebühren einzufordern. Auch gilt das Gebot der getrennten Buchführung, der Transparenz und des marktwirtschaftlichen Verhaltens aller Beteiligungsunternehmen. Diese Erfordernisse sind durch effektive Kontrollvorkehrungen abzusichern. In einem Antwortschreiben legt die Bundesregierung dar, was in dieser Richtung unternommen werden soll. Ob dies ausreichend ist, darüber soll in der Fortsetzung dieses Beitrags berichtet werden.
Christoph.Degenhart@tf-slm.de

Trent zur Wollmilchsau

"IRGENDWAS mit Medien" ist zwar eine sehr vage, aber recht häufig anzutreffende Beschreibung des Berufswunsches von jungen Menschen. Und so vage der Begriff "Medien" als Berufsziel ist, so vielfältig sind die Wege in die begehrte Branche. Schließlich bieten alle großen Universitäten und Fachhochschulen Sachsens einen oder mehrere Studiengänge zu diesem Thema an. Die größte Medien-Ausbildungsstätte im Freistaat ist das Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaften der Uni Leipzig mit aktuell rund 3.000 immatrikulierten Studenten. Neben 1.600 KMW-Studenten finden sich 800 angehende Diplom-Journalisten sowie knapp 900 Nebenfächler.

"Die Universitäten sind mit solchen Studentenzahlen an den Grenzen ihrer Kapazität angelangt", meint Mark-Steffen Buchele, Geschäftsführer des Masterprogrammes Medien in Leipzig. Nach Ansicht Bucheles gehört die Zukunft verkürzten Studiengängen, die beispielsweise Bachelor-Abschlüsse anbieten: "Diesen Trend haben ja auch die Unis mittlerweile erkannt: Sie beginnen, entsprechende Angebote zu machen." So werden beispielsweise aktuell am Dresdner Institut für Kommunikationswissenschaften (IfK) wie auch an der Hochschule Mittweida Magister- und Diplomabschlüsse Schritt für Schritt in Bachelor- und Master-Studiengänge umgewandelt. Dadurch soll eine Internationalisierung vorangetrieben werden - häufig auch in Verbindung mit obligatorischen Auslandsaufenthalten. So hat das IfK zum Sommersemester das letzte Mal Nebenfächler immatrikuliert, als Hauptfach ist der Magisterstudiengang bereits im vergangenen Wintersemester ausgelaufen. Statt dessen wird auf Bachelor "Medienforschung/Medienpraxis" studiert - bislang von 41 Studenten, die sich in der Vorauswahl gegen rund 700 Mitbewerber durchgesetzt haben.

"Neben der Internationalisierung der Abschlüsse ist die Kürze der Ausbildungsgänge ein weiterer wichtiger Vorteil. Wo bisher fünf Jahre Studium auf dem Plan standen, hat der Absolvent nun schon nach drei Jahren einen Abschluss in der Hand. So können die jungen Medienmacher schneller in den Arbeitsmarkt gehen", beschreibt Buchele die Vorteile dieser Entwicklung. Nach Ansicht des Leipziger Experten sind die Berufsaussichten für angehende Redakteure in Sachsen auch aktuell noch immer gut: "Der Markt braucht junge, kompetente Medienleute. Denn der hemdsärmelige Journalist wird langsam abgelöst durch wissenschaftlich ausgebildete Redakteure, die analytisch an die Medienarbeit herangehen und das notwendige journalistische Handwerkszeug mitbringen. Deshalb ist auch der verstärkte Praxisbezug wichtig, den die neu geschaffenen Studiengänge beinhalten." Auf die Forderung nach mehr Praxis und nach immer umfassender ausgebildeten journalistischen Fachkräften reagieren die Hochschulen auch mit ganz individuellen Lösungen: So steht im Chemnitzer Studiengang Medienkommunikation die Vernetzung von Internet und Multimedia mit einem zusätzlichen inhaltlichen Modulsystem im Mittelpunkt der Lehre. Dazu werden geisteswissenschaftliche mit technischen und wirtschaftlichen Modulen verknüpft wie zum Beispiel Rhetorik mit Recht und Informatik. Eine andere Auswirkung dieses Trends zur Diversifizierung zeigt sich an der Hochschule Mittweida, wo nach umfassenden Umstrukturierungen in den letzten Jahren nun den Studierenden ganz individuell auf einzelne Medienberufe zugeschnittene Studiengänge angeboten werden.

Und mit dem Masterprogramm Medien in Leipzig (MML) ruft die Universität Leipzig gemeinsam mit der HTWK und der Medienstiftung der Sparkasse zum kommenden Wintersemester einen neuen Studiengang ins Leben, der dem Trend zur Spezialisierung entspricht und ebenfalls auf die Forderung nach mehr Praxisausbildung reagiert, wie MML-Geschäftsführer Buchele erklärt: "Das Ziel dieses Masterstudiums ist es, mit einer Kombination aus theoretischemÜberblickswissen und Projektmitarbeit in Medienunternehmen die umfassend gebildeten Medienmacher auszubilden, die in Zukunft immer mehr gebraucht werden - eben die eierlegende Wollmilchsau unter den Redakteuren."

Brennen für den Radiojob


themen + frequenzen: Frau Lippold, mal abgesehen vom Promi-Faktor: Welche Rolle spielt der Spaß an der Medienarbeit bei Ihrem Job?

Eigentlich die entscheidende Rolle. Denn auch wenn viele - vielleicht aufgrund des Promi-Faktors - etwas anderes denken: Reich werden kann man bei dem Job nicht. Aber der Spaß hat bislang noch kein bisschen nachgelassen.

themen + frequenzen: Wie reagieren Sie, wenn Sie mit dem Vorurteil konfrontiert werden, dass all die Fröhlichkeit in den Morningshows hiesiger Radiosender doch nur aufgesetzt sei?

Zumindest bei mir bin ich mir sicher: Ich bin diese Marke "Freddy" - da ist nichts aufgesetzt, sondern alles authentisch. Allerdings ist soviel Freiheit, wie ich sie in meinen Moderationen habe, auch die Ausnahme. Andere Kollegen arbeiten da unter viel restriktiveren Bedingungen. Und wenn mir mal selbst nichts einfällt, habe ich mein Team zur Unterstützung.

themen + frequenzen: In welchem Rahmen arbeiten Sie da mit Praktikanten zusammen?

Praktikanten machen rund 40 Prozent bei uns aus. Ohne sie wären wir tatsächlich manchmal aufgeschmissen. Aber leider fehlt vielen von ihnen irgendwie die Begeisterung für die Radioarbeit.

themen + frequenzen: Heißt das, sie leisten keine gute Arbeit? Oder fehlt es an der Motivation?

Die Arbeit ist solide und es sind wirklich nur selten welche dabei, die sich aus fachlichen Gründen nicht eignen. Nein, was ich meine, ist das „Brennen“ für den Job - dieses sich Reinhängen auch gegen Widerstände. Das war zur Zeit meines Einstiegs in die Branche viel verbreiteter. Heute bleibt mir kaum noch einer im Gedächtnis, der sich aus der Masse abhebt.

themen + frequenzen: Worauf führen Sie dieses fehlende "Brennen" zurück?

Die genauen Gründe dafür kenne ich leider nicht. Vielleicht hat es etwas mit der aktuellen Wirtschaftslage zu tun. Oft kommen die jungen Leute auch mit völlig falschen Vorstellungen zu uns. Sie wollen einen easy-going-Job in der Umgebung von coolen Leuten. Und wenn sie dann merken, dass es auch beim Radio jede Menge Arbeit gibt, die nicht immer flippig und cool ist, lässt die Motivation merklich nach. Aber letztendlich ist diese Einstellung kontraproduktiv für die Karriere. Denn nur wer sich reinhängt und auffällt, bekommt Aufmerksamkeit, besondere Förderung und die Chance, auch nach dem Praktikum weiter zu machen - das sehe ich täglich in unserem Sender.

themen + frequenzen: Apropos Karriere: Sie drücken gerade erneut die Schulbank – nebenberuflich, an der Akademie für Marketing und Kommunikation Leipzig. Warum?

Weil ich festgestellt habe, dass ein Abschluss heute wichtig ist. Er hebt dich ab von anderen – und wird vielerorts einfach vorausgesetzt. Nachdem ich mich gründlich über einen Studienabbruch vor sieben Jahren geärgert habe, beschloss ich, auf diesem Weg das Versäumte nachzuholen - auch wenn es ziemlich stressig ist und ich die Wochenenden dafür opfern muss.
Friederike.Lippold@tf-slm.de

Markt ist haerter geworden


themen + frequenzen: Prof. Dr. Hilmer, Sie fordern vom Mediennachwuchs noch mehr Flexibilität. Warum?

Die jungen Leute müssen sich heute einem harten Markt mit komplexen Herausforderungen stellen. Seit die Boomjahre in der Branche vorbei sind, sind mehr Kompromissbereitschaft und Marktfähigkeit gefragt als vorher - und mehr Unternehmergeist. In einer Zeit, in der vor allem freie Mitarbeiter eingesetzt werden, muss sich ein Medienschaffender auch als publizistischer Kleinunternehmer verstehen.

themen + frequenzen: Bringen die Studenten diese Voraussetzungen Ihrer Ansicht nach mit?

Sie sind in den meisten Fällen engagierter als frühere Generationen. Die Ansprüche und Erwartungen sind überwiegend sehr realistisch. Aber es ist auch die Unbekümmertheit verschwunden, mit der früher viele an die Medienarbeit herangegangen sind. Die Studierenden wollen heute wieder stärker an die Hand genommen und geführt werden.

themen + frequenzen: Sehen Sie die Gründe dafür vor allem in der aktuellen wirtschaftlichen Lage?

Es liegt an der allgemeinen Stimmung und konkret an den Aussichten auf dem Arbeitsmarkt - die für unsere Absolventen übrigens trotz aller Befürchtungen noch immer überdurchschnittlich gut sind - und am aktuellen Kostendruck der Medien, den die Studierenden als Sparkurs beim Personal wahrnehmen.

themen + frequenzen: Der Konkurrenzkampf ist ja mittlerweile bis an die Hochschulen vorgedrungen. Wie können junge Medienmacher - besonders in der heutigen Marktsituation - ihre Jobaussichten verbessern?

Indem sie sich abheben vom Rest. Das bedeutet: besonderes Engagement an den Tag legen, möglichst viel Praxiserfahrung sammeln – und Auslandsaufenthalte einlegen. Denn in einer globalisierten Welt spielt diese Art der Flexibilität eine immer größere Rolle.

themen + frequenzen: Ihre Absolventenzahlen von rund 90 Prozent sind außergewöhnlich hoch. Ist denn ein Abschluss heute tatsächlich noch nötig, um im Medienbereich Erfolg haben zu können?

In jeder Karriere wird früher oder später nach dem Abschluss gefragt. Deshalb raten wir dringend, darauf keinesfalls zu verzichten - auch dann nicht, wenn ein lukrativer Job den Studienabbruch "versüßt".
Ludwig.Hilmer@tf-slm.de

Gegen Einbahnstraßen


VOR WENIGEN WOCHEN FEIERTE Michael Haller seinen 60. Geburtstag. Doch wo andere in den Vorruhestand gehen, denkt der Leipziger Journalistik-Professor gar nicht daran, beruflich kürzer zu treten. Mit unverminderter Energie widmet er sich dem Einsatz für ein ganz besonderes Gut: dem Qualitätsjournalismus. Denn den sieht der Geschäftsführende Leiter des Lehrstuhls für Allgemeine und Spezielle Journalistik an der Universität Leipzig akut gefährdet: "Wir haben im Rahmen einer Analyse festgestellt, dass die Zahl der Texte, die nur eine Quelle nennen, angestiegen ist. Hier sind wir beim "Einbahnstraßenjournalismus" angekommen. Ich sehe darin eine Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht. Und die Medien sägen damit an dem Ast, auf dem sie sitzen", sagt Haller zum Qualitätsnotstand in den Redaktionen der Republik.

Doch weil Jammern angesichts aktueller Entwicklungen - von Konzentrationstendenzen in den Medienhäusern über Personalabbau in den Redaktionen bis hin zur verstärkten Verflechtung von PR und Journalismus - wenig nützt, setzt sich Michael Haller aktiv für mehr Qualität in der journalistischen Medienmache ein. Hierzu hat er als Wissenschaftlicher Direktor des "Instituts für Praktische Journalismusforschung" (IPJ) ein Forschungsprogramm aufgelegt und verschiedene Instrumente für Qualitätsmanagement in Tageszeitungen entwickelt. Aber auch in der Sensibilisierung des journalistischen Nachwuchses und der Verbindung von Theorie und Praxis sieht der Journalismus-Experte den richtigen Weg zur Bewältigung der Qualitätskrise im zeitgenössischen deutschen Journalismus.

Deshalb finden sich in Hallers Portfolio neben zahlreichen Forschungen und wegweisenden Studien auch viele ganz konkrete Handlungsanweisungen an Redakteure, Texter und all jene, die auf journalistische Schreibe setzen. In Form von Buchreihen, die zu Standardwerken der journalistischen Ausbildung geworden sind, mittels der von ihm herausgegebenen internationalen Fachzeitschrift "message" und in diversen Fachvorträgen belegt Haller die Notwendigkeit - und die Möglichkeit - hochwertige journalistische Arbeit zu leisten.

Und der 60-Jährige ist dabei nicht allein: Ein Netzwerk aus Wissenschaftlern, Autoren und Journalisten unterstützt seine Plädoyers für mehr Sorgfalt und eine Rückbesinnung auf bewährte journalistische Werte mit Beiträgen aus Theorie und Praxis der Medienarbeit. Als Strategie gegen fortschreitenden "Einbahnstraßenjournalismus" plädiert Haller vor allem für eines: die Stärkung der Fachkompetenz in den Redaktionen. "Die Infrastruktur der Redaktionen muss neu aufgebaut, die redaktionelle Unabhängigkeit gegenüber den Werbekunden gestärkt werden. Handwerkliche Professionalität und ein solides Berufsethos müssen wieder im Vordergrund stehen. Anderenfalls wird der Journalismus von den PR-Profis mit ihren zunehmend raffinierten Themeninszenierungen überrollt", fasst der Experte zusammen.

Dass Hallers Qualitätsanspruch nicht realitätsfernen Theorien, sondern handfesten Kenntnissen über das Medienmachen entspringt, wird beim Blick auf seinen Werdegang deutlich: Während eines Praktikums bei der Badischen Zeitung entdeckte der Gymnasiast seine Leidenschaft für den Journalismus. Nach Studienabschluss und Promotion folgte eine journalistische Bilderbuchkarriere: Von der "Basler Zeitung" über die "Weltwoche" bis zum "Spiegel" und der "Zeit" führte ihn seine Redakteurslaufbahn – bis ihn 1993 ein Ruf an die Universität Leipzig holte, um dort den renommierten Diplomstudiengang Journalistik neu aufzubauen.

Doch nicht nur im Beruf, auch privat schlägt der Wahl-Hamburger eher klassische Töne an: Mit Brahms, Monteverdi und eigenen Klängen aus seiner Querflöte lenkt er sich vom Kampf um traditionelle Werte ab. Neben der Musik und gelegentlichen Ausflügen in die Schweizer Berge weiß Haller privat vor allem etwas zu schätzen, was er beruflich oft schmerzhaft vermisst: gute Reportagen.
Michael.Haller@tf-slm.de

Die Kuh vorm Ueberall-Tor


SOWEIT KOMMT DAS NOCH: Die Leute sind zufrieden! Unser meckerndes Volk gerade dort, wo die Tore zum künftigen Fortschritt offen stehen. Dort stehen die Menschen "wie die Kuh vorm neuen Tore". Jeder, der Kühe kennt, weiß, wie diese Tiere stehen, liegen und vor allem blicken können: zufrieden wiederkäuend; mit großen Augen, die den Menschen neidisch werden lassen ob der stillen Hinnahme des Weidenund Stallschicksals durch diese fleischliefernde Natur.

So ähnlich verhält sich jetzt das Fernsehvolk vor der Einführung einer neuen Empfangstechnik, die ja wiederum gar nicht so neu ist. Sie ist ein alter Hut mit neuen Inhalten: das DVB-T - zu deutsch: Digital Video Broadcasting-Terrestrial - also auf Null und Eins komprimierte Fernsehbilder, die durch die Luft transportiert und von einer Antenne in einem hin und her zu tragendem Gerät eingefangen und von einem geheimnisvollen Gerät für die Augen des Betrachters wundervoll entschlüsselt werden. Ist das so kompetent erklärt? Aber das Fernsehvolk stellt sich unwissend, wie eine Studie aus dem Leipziger Raum jetzt belegt. Danach hatten 40 Prozent der Befragten keine Ahnung, was die vier Buchstaben bedeuten. Das ist verwunderlich, da ja auch jeder weiß, was ALDI heißt. Doch der zum Himmel schreiende Zustand liegt in der Tatsache, dass 54 Prozent derer, die vor dem neuen Tor bewusst stehen bleiben wollen, mit dem jetzigen Programmempfang zufrieden sind. Der Mensch neigt eben an sich und schon immer zum Hocken und Sitzenbleiben beim Bewährten. Jetzt hängt er sich nun ans Kabel und an die Satellitenschüssel - und ist zufrieden.

Dieser Zahn muss gezogen werden! Es lebe die Antenne! Es wird viel Kraft vonnöten sein, die Kuh durchs neue Tor zu ziehen. Das Überall-Tor führt ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Überall kann fern gesehen werden: im tiefsten Keller und im verwinkeltsten Dachboden und im eigenen Garten - eben überall dort was überall meint. Der Schalk, der meinte, DVB-T wäre die Abkürzung für "Das Volk Bremst-Täglich" sollte sich künftig gründlich schämen, wenn die Überall-Welle endlich die Haushalte erreicht hat. Da müssen sich Kabel und Satellit aber warm anziehen!
Caroline

Streit um Kabelgebuehr


MIT 180 TEILNEHMERN traf die Diskussionsrunde, zu der die SLM am 19. Oktober ins Leipziger Renaissance-Hotel geladen hatte, auf große Resonanz. Das spannungsreiche Thema "Urheberrechtsgebühren im Kabel" brennt vor allem kleinen und mittleren Anlagenbetreibern auf den Nägeln.

Einleitend erläuterte Rechtsanwalt Dr. Daniel Brückl die rechtlichen Regelungen, auf deren Grundlage seit 1998 von Kabelanlagenbetreibern Urheberrechtsgebühren gefordert werden können. Anschließend kam als Vertreter der VG Media deren Geschäftsführer, Prof. Dr. Hans-Henning Arnold, zu Wort. Dieser stellte dar, dass sein Unternehmen nur umsetze, was der deutsche Gesetzgeber auf europäische Initiative hin festgelegt habe - dass eine Weiterleitung von Rundfunkprogrammen im Kabel ohne Ausnahmeregelung als eine Zweitverwertung betrachtet werde, die es rechtfertige, Urheber und Sendeunternehmen an den jeweiligen Einnahmen teilhaben zu lassen. Dass diese Sicht der Dinge nicht recht zu überzeugen vermochte, zeigte sich anhand der Reaktionen der Zuhörer. Von der Forderung nach Abschaffung des Gesetzes bis zum angedrohten Boykott der Zahlungen gingen die Einwürfe aus dem Publikum. "Es ist richtig, dass das Gesetz de facto die Ungleichbehandlung befördert. Denn die Kabelbetreiber sollen zahlen, während die Weiterleitung per Satellit nicht als Zweitverwertung gilt", brachte Rechtsanwalt Brückl die Kritik auf den Punkt. Er wies jedoch auch auf die Sanktionen hin, die bei einer Zahlungsverweigerung drohen. Abhilfe, so Brückl, sei nur möglich, wenn der Gesetzgeber in Berlin und Brüssel überzeugt werden könne, zumindest Ausnahmen von der Gebührenpflicht vorzusehen, um strukturellen Besonderheiten besser entsprechen zu können. Dabei verwies er auf die Vielzahl kleiner Antennengemeinschaften, die zumeist ehrenamtlich und nicht gewinnorientiert tätig seien.

Unklar blieb, ab welcher Größe - also mit wie vielen angeschlossenen Haushalten - ein Kabelbetreiber als abgabepflichtig gilt. "Aus pragmatischen Gründen orientieren wir uns bisher meist an der Grenze von 75 Haushalten. Alles darunter gilt als nachbarschaftlich organisiert und wird nicht veranlagt", erklärte dazu Prof. Arnold, der nach eigenen Angaben nach Leipzig gekommen war, "um zu lernen - und produktiv zu diskutieren." Die Diskussion brachte jedoch auch zu Tage, dass es in dieser und etlichen anderen Fragen noch erheblichen Regelungsbedarf gibt. Diesen Punkt griff der Moderator abschließend auf und wies darauf hin, dass die drei mitteldeutschen Landesmedienanstalten nach Kräften die Politik zu einer Korrektur der Gesetzeslage und die Verwertungsgesellschaften zu einem umsichtigen Handeln bewegen werden. Ob`s hilft? Für die Zuhörer schien es bereits ein Gewinn zu sein, dass ihr Anliegen wahrgenommen wurde. Jetzt gilt es, dranzubleiben und deutlich zu machen, dass durch Veranstaltungen dieser Art nicht nur Säle gefüllt, sondern das Eine oder Andere auch verändert werden kann.

Ethik im Rundfunk


DIE IM AUFTRAG der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) an der Universität Leipzig durchgeführte und im Sommer 2005 abgeschlossene Studie "Medienethische Qualitätskriterien für den Rundfunk" verfolgte zwei Ziele: Erstens sollte ein systematischer Überblick über die für den Rundfunk (Hörfunk und Fernsehen) relevanten Normen und deren Begründungen gewonnen werden. Zweitens sollte der Frage der Umsetzung dieser Normen in der redaktionellen Praxis und damit verbundenen Problemen - sowie deren Behebung - nachgegangen werden.

Auf der Basis umfangreicher Literaturrecherchen und einer qualitativen Inhaltsanalyse von 30 deutsch- und englischsprachigen Fachpublikationen, 12 Werken der journalistischen Praktikerliteratur sowie von 25 rundfunkbezogenen Richtlinien konnte eine Fülle von rundfunkethischen Normen identifiziert werden. Problematisch erscheint also nicht das Fehlen von ethischen Normen für den Rundfunk, sondern deren mangelhafte Systematik, fehlende Begründungen und Ableitungen sowie die nur gering ausgeprägte Rundfunkspezifik vieler Normen. Zudem wird der Hörfunk offenkundig als medienethisch weniger oder gar nicht relevant bzw. problematisch angesehen: Es gibt praktisch keine hörfunkspezifischen medienethischen Qualitätskriterien. Da Medienethik als Element von Qualitätssicherung verstanden werden kann, stellt sich die Frage, wie die Umsetzung solcher Normen in der Rundfunkpraxis unterstützt werden kann. Das besondere Interesse galt hierbei den inner- und außerredaktionellen Infrastrukturen. Aufbauend auf den Ergebnissen einer Literaturstudie wurde eine Befragung von zehn sächsischen Rundfunkschaffenden aus fünf Sendern (Leitfadengespräche) durchgeführt. Diese lieferten Hinweise darauf, welche Relevanz rundfunkethischen Problemen und Diskursen im redaktionellen Alltag zugesprochen wird und welche Rolle Infrastrukturen bei der (medienethischen) Qualitätssicherung spielen (s. Abbildung).

Von den außerredaktionellen Infrastrukturen wird in den untersuchten Rundfunkunternehmen allenfalls Journalistenpreisen eine motivierende Bedeutung zuerkannt. Selbstkontrolleinrichtungen und Ethikkodizes (etwa in Analogie zu Presserat und -kodex), Ombudsleute, Branchenverbände sowie Medienjournalismus und die Publikumsforschung werden hingegen in der Rundfunkpraxis nicht als Infrastrukturen zur (medienethischen) Qualitätssicherung angesehen oder genutzt.

Ein etwas anderes Bild ergibt sich bei den innerredaktionellen Infrastrukturen. Hier besitzen vor allem diskursive Elemente, also das formelle (Redaktionskonferenz, Mitarbeitergespräch) und das informelle Gespräch unter Kollegen Bedeutung für die Erörterung und ggf. Lösung rundfunkethischer Problemfälle. Allerdings werden medienethische Probleme in der Praxis tendenziell nicht von medienrechtlichen Problemen getrennt und die Erörterung wird von den Beteiligten vielfach wohl nicht als ethische Diskussion verstanden. Insgesamt erscheint uns das Bewusstsein für medienethische Problemlagen, insbesondere im Hörfunk, bei den Rundfunkpraktikern nicht sehr stark entwickelt zu sein. Personalauswahl und -entwicklung (Aus- und Weiterbildung) sowie Redaktionsstatute sind für die Implementation rundfunkethischer Standards nicht von Bedeutung, allenfalls die interne Produktkontrolle leistet hierzu einen - vermutlich eher unsystematischen - Beitrag.

Praezise Rahmen erforderlich


I. GEBÜHRENFINANZIERUNG ALS PROBLEM DES NATIONALEN
UND INTERNATIONALEN RECHTS
1. Aus nationaler Sicht schien die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks seit dem Rundfunkgebührenurteil in gesicherter Ordnung und durch das Amsterdamer Protokoll gegen den Geltungsanspruch europäischen Rechts abgeschirmt.
2. Sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene sieht sich diese Ordnung in Frage gestellt, aus nationaler Sicht vor allem im Vorfeld des Achten Rundfunkänderungsstaatsvertrags, aus europäischer Sicht durch die Beihilfekontrolle der Kommission der Europäischen Gemeinschaft. Risiken für die Gebührenfinanzierung werden auch im GATS gesehen.
3. Als maßgeblicher Bezugsrahmen für die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks erweist sich sowohl aus nationaler als auch aus gemeinschaftsrechtlicher Sicht dessen spezifischer Auftrag.

II. DER GELTUNGSANSPRUCH DES GEMEINSCHAFTSRECHTS
1. In der gemeinschaftsrechtlichen Notwendigkeit klarer Grenzziehungen liegt ein tendenzieller Widerspruch zu einem dynamischen Rundfunkauftrag. Deutlich wird dies, wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunkauftrag für einen Teilbereich der Rundfunktätigkeit in Frage gestellt wird, wie im thematischen Zusammenhang der Sportrechte, aber auch dann, wenn Online-Dienste in Bereiche ausgedehnt werden sollen, für die kein Bedürfnis nach öffentlich-rechtlicher Grundversorgung besteht. Es bestehen tendenzielle Widersprüche zwischen nationaler und gemeinschaftsrechtlicher Sehweise.
2. Die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks kann entgegen der Position der Bundesregierung in ihrem Antwortschreiben auf den in "themen + frequenzen" 03/05 ausführlich dargestellten Brief der Kommission vom 03.03.2005 nicht außerhalb der Beihilfenkontrolle gesehen werden. Das Amsterdamer Protokoll begründet keine Bereichsausnahme.

III. DIE BEIHILFEKRITERIEN NACH EGV IM EINZELNEN
1. Die Gebühreneinnahmen der Rundfunkanstalten sind staatlich verantwortete, staatliche Mittel i.S.d. Beihilferechts des EGV.
2. "Die Einnahmen aus der Rundfunkgebühr verschaffen den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten grundsätzlich einen Vorteil gegenüber ihren privaten Wettbewerbern, die allein auf kommerzielle Einnahmen, insbesondere Werbeeinnahmen, angewiesen sind." Dieser Feststellung der Kommission ist nichts hinzuzufügen.

IV. RUNDFUNKFINANZIERUNG AUS NATIONALER SICHT - WIDERSPRÜCHE ZUM GEMEINSCHAFTSRECHT?
1. Die Notwendigkeit, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk einen normativ klar definierten Auftrag als Element einer positiven Ordnung zuzuweisen, ist auch verfassungsrechtlich begründet. Forderungen nach möglichst konkreter Aufgabenbestimmung sind verfassungskonform realisierbar.
2. Weder wird die duale Rundfunkordnung aus internationaler, insbesondere europäischer Sicht grundsätzlich in Frage gestellt, noch eine prinzipielle Dynamik des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

V. FOLGERUNGEN
1. Zum Rundfunkauftrag ist zu fragen, ob hier die Programmanteile einer präziseren und verbindlicheren, möglicherweise quotalen Festlegung zugänglich sind. Weitergehende Festlegungen hinsichtlich der kommerziellen Aktivitäten der Rundfunkanstalten sind erforderlich. Die Institutionen der binnenpluralen anstaltsinternen Aufsicht über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind überfordert. Deshalb werden aus gemeinschaftsrechtlicher Sicht Defizite an effizienter Aufsicht moniert. Vom Beihilferegime des EG-Vertrags erfasst werden Fälle einer Förderung der Rundfunkinfrastruktur oder gar von Teilnehmerendgeräten aus dem Aufkommen der Rundfunkgebühr.
2. Für das Verfahren der Gebührenfestsetzung bleibt die neutrale - staatliche - Instanz und auch die Distanz schaffende Funktion des Gesetzgebungsverfahrens weiterhin gefordert.
Christoph.Degenhart@tf-slm.de

Bessere Beratung noetig

themen + frequenzen: Herr Goedecke, warum wird DVB-T in Mitteldeutschland ohne die Privaten starten?

Diese Sender haben als privatwirtschaftlich geführte Unternehmen natürlich wenig Interesse daran, sich in einem Gebiet mit geringem terrestrisch- analogen Empfang Frequenzen teuer zu erkaufen. Der Osten ist traditionell satellitenempfangsgeprägt. Sollte sich die Nachfrage allerdings verstärken, würden sie sicherlich auch im Nachhinein noch aufspringen.

themen + frequenzen: In Regionen wie Berlin scheint es diese Bedenken nicht zu geben.

Dort stellt sich der Markt anders dar - mit mehr Potential an DVB-T-Nutzern. Außerdem gab es zum Start in den anderen Bundesländern noch staatliche Subventionen - die nun durch die Beschwerde von ANGA und Kabel Baden-Württemberg in Brüssel massiv in Frage gestellt werden. Der Ausgang dieser Beschwerde ist für die Privaten und ihr Engagement für DVB-T denkbar ungünstig. Weil die Subventionen wegfallen und zum Teil sogar zurück gezahlt werden müssen, sehe ich den Sendebetrieb auch in anderen Bundesländern gefährdet.

themen + frequenzen: Neben den privaten Sendern haben auch die Verbraucher noch Vorbehalte gegen DVB-T. Wie sieht es dort mit dem Informationsstand aus?

Es gibt nach wie vor eine große Verunsicherung. Das geht bei so simplen Fragen los, wie: In welche Richtung drehe ich die Antenne? Um hier aufzuklären, fehlt ein Kommunikationsmix, bei dem die DVB-T-Verantwortlichen mit Handel und Medien zusammenarbeiten. Die Verbraucher benötigen eine fundierte Beratung im Fachhandel, denn der technische Hintergrund ist enorm. Die innovative Seite von DVB-T sollte besser herausgestellt werden, denn es überwiegt die Verunsicherung angesichts der neuen Technologie.

themen + frequenzen: Wie ist der technische Standard der Empfangsgeräte und die Auswahl am Markt?

Es gibt mittlerweile eine große Auswahl an hervorragenden Set-Top-Boxen zu vernünftigen Preisen mit vielen Features. Da haben die Hersteller ihre Hausaufgaben gemacht. Man sollte allerdings auf Markenprodukte achten, denn ein Digitalreceiver ist nichts anderes als ein kleiner Computer, der regelmäßig mit einem Update versehen werden muss. Mittlerweile sind diese Geräte auch nicht mehr so teuer wie zur Einführung von DVB-T. Und dann gibt es natürlich noch den recht großen Markt der mobilen Empfänger.

themen + frequenzen: Sehen Sie das Hauptpotential für DVB-T eher im fest installierten oder mobilen Einsatz?

Das digitale TV wird wohl vorranging als Ersatz für die bisher genutzte Zimmerantenne fungieren. Die vielgepriesene Mobilität ist mit Vorsicht zu genießen. Da besteht noch viel Entwicklungsbedarf. Doch auch bei der terrestrischen Übertragung gibt es Kapazitätsbeschränkungen. Die Innovationen, die mit der Digitalisierung einhergehen, wie zum Beispiel das hochauflösende Fernsehen HDTV, stehen auf absehbare Zeit mit DVB-T nicht zu Verfügung, denn dazu reichen die Kapazitäten im digital-terrestrischen Übertragungsweg nicht aus.
Stefan.Goedecke@tf-slm.de

Scheu der Privaten


DER SENDESTART von DVB-T wird nun auch in Mitteldeutschland ohne die privaten Sendergruppen RTL und ProSiebenSat.1 Media AG vonstatten gehen. Die Gründe sind wirtschaftlicher Natur. Die Zahl derer, die bisher noch über Antenne fernsehen, ist hier besonders niedrig: Schätzungen zufolge maximal fünf Prozent der Verbraucher. Die Programme der Privaten gehören in Mitteldeutschland schon lange Zeit nicht mehr zum terrestrischen Angebot. Deshalb werden diese Veranstalter keine "Abschaltgewinne" erzielen, die Investitionen für digitales Antennenfernsehen freimachen könnten. Die Absage der Privaten führt wiederum dazu, dass es für digitales Fernsehen voraussichtlich nicht genügend Abnehmer geben wird. Und somit bleiben Schritt zwei und drei der DVB-T-Einführung, eine Ausdehnung vom Ballungsraumfernsehen zur flächendeckenden Versorgung, vielleicht für immer Illusion.

Ob und wie sich dieses Szenario ändern wird, kann momentan nur durch einen Vergleich mit den anderen Einführungsregionen abgeschätzt werden. Dort hat sich DVB-T vor allem in der Region Berlin-Brandenburg durchgesetzt. Die dichtbesiedelte Stadt Berlin profitiert aber in diesem Fall von der ehemaligen Zweiteilung, die eine hohe Netzabdeckung mit sich bringt. Das restliche Deutschland ist ein Flächenland, mit geringerer Netzabdeckung und teilweise dünn besiedelten Räumen, die dennoch nicht von der vollständigen Digitalisierung abgeschnitten werden sollen. Aber eine flächendeckende DVB-T-Versorgung ist aus Sicht der privaten Anbieter unrealistisch, weil unrentabel.

Sollte das günstige DVB-T tatsächlich einen größeren Abnehmerkreis finden, würden die Privaten auch noch im Nachhinein umschwenken. Freie Frequenzen sind derzeit noch vorhanden. Die Prognosen sehen aber anders aus. Eine begleitende Marktstudie soll bald nach der Zuschaltung von DVB-T erste Ergebnisse liefern, wie sich die Wanderungsbewegungen von Satellit oder Kabel zu Antenne abzeichnen werden. Man rechnet auch mit einem Zugewinn durch Zweit- und Drittgeräte.

Vielleicht fällt dadurch die Entscheidung, ob aus dem Ballungsraumfernsehen jemals so etwas wie ein flächendeckendes Angebot wird. DVB-T könnte dann neben Kabel und Satellit wieder zur dritten, kostengünstigen Alternative werden. Während die Öffentlich-Rechtlichen unlängst erneut bekräftigt hatten, dass sie eine flächendeckende Verbreitung von DVB-T in naher Zukunft wünschen, sieht dieses Szenario für die Privaten ganz anders aus. Für sie besteht ein großer Nachteil in der mangelnden Zukunftsfähigkeit von DVB-T. Eine Problematik, die durch das Urteil auf die ANGA-Klage beim Europäischen Gerichtshof noch erschwert wird. Denn die EU-Entscheidung bestätigt die schlimmsten Befürchtungen der Privaten: Gezahlte Fördergelder müssen zurückgegeben werden. Eine Entwicklung, die die Privaten wohl momentan erst recht vor Investitionen zurückschrecken läßt.
feedback@tf-slm.de

Start ins Digitalzeitalter


themen + frequenzen: Herr Richter, die Vorbereitungen zum Start des digitalen TV in Mitteldeutschland liefen nicht ganz problemlos ab. Woran lagen die Verzögerungen?

Bei der technischen Planung stellte sich heraus, dass wir nicht alle vorhandenen Senderstandorte nutzen können, sondern für einen "portable indoor"-Empfang, wie wir ihn anstreben, teilweise neue Anlagen errichtet werden müssen. Diese benötigen einen Standort inmitten des Ballungsraums. In Halle konnten wir diese Änderung innerhalb eines Jahres durchsetzen, in Leipzig hat sich das Genehmigungsverfahren verzögert. Letztendlich wurde der Termin für alle fünf Standorte nach hinten verlegt, um einen einheitlichen Start zu gewährleisten.

themen + frequenzen: Welche Aktivitäten liegen vor dem offiziellen Start?

Momentan betreiben wir Aufklärungsarbeit im Handel mit Informationspackages. DVB-T ist eine Chance für den Fachhandel, denn es handelt sich in den Regionen, in denen DVB-T mit Dachantenne empfangen wird, um eine beratungsintensive Technik. Mittlerweile gibt es auch eine Informationshotline, und es werden Werbespots im MDR und ZDF ausgestrahlt, die die Zuschauer auf den Sendestart vorbereiten.

themen + frequenzen: Gibt es noch großen Informationsbedarf bei den Verbrauchern?

Ja und Nein. Viele Menschen haben die Entwicklung in den anderen Bundesländern mitverfolgt und sich informiert. Interessanterweise wurden auch in Mitteldeutschland schon sehr viele Digitalreceiver gekauft. Wir warnen allerdings vor einem Kauf ohne Beratung. Denn je nach Wohnlage kann ich DVB-T über Zimmeroder Dachantenne oder unter Umständen noch gar nicht empfangen. Wer nicht im DVB-T-Versorgungsgebiet wohnt, ist in der ersten Einführungsstufe nicht an der Digitalisierung beteiligt. Es gehört auch zu unseren Aufgaben, diese Menschen zu informieren.

themen + frequenzen: Damit sprechen Sie eine bislang ungeklärte Frage an: Wird es eine Gesamtabdeckung des digitalen Antennenfernsehens geben?

Am 5. Dezember gehen wir mit dem Start in den Ballungsräumen Halle, Leipzig, Erfurt und Weimar den ersten Schritt. Nach dem Sendestart entscheiden wir in Abhängigkeit von der Verbraucherresonanz, ob wir den zweiten Schritt gehen und DVB-T auch in den Regionen um Dresden, Chemnitz, Magdeburg, Gera und Jena einführen. Um die Resonanz festzustellen, werden begleitend zur DVB-T-Einführung Marktforschungen betrieben.

themen + frequenzen: Welche Erwartungen haben Sie in Bezug auf die Resonanz?

Wir gehen von einer relativ zügigen Entwicklung hin zur Dachantennenversorgung aus. Vor allem bei den Zweit und Drittempfängern rechnen wir mit Zuwachs, denn DVB-T eignet sich zum Beispiel hervorragend für das Kinderzimmer oder die Gartenlaube.
Michael.Richter@tf-slm.de

Zurueck im Geschehen


DIESER MANN WEISS, was ein Kassenschlager ist: Ein Einziger macht viele Flops wett - und finanziert Filme mit, die kein Mainstream-Publikum locken. Und ein Longseller verkauft sich immer. Dies ist, aus Laiensicht auf den Punkt gebracht, die Strategie eines Filmhändlers. Profis wie Michael Kölmel haben natürlich wesentlich detailliertere Branchenkenntnisse. Was den Leipziger Unternehmer aber neben seinem Fachwissen auszeichnet, ist eine große Überzeugung von seiner Arbeit und der damit zusammenhängenden Strategie. Dank dieser Überzeugung wurde aus einem kleinen Independent-Filmverleih ein Börsenstar, der nach einem furiosen Crash am Neuen Markt wieder genau dort weitermacht, wo er aufgehört hat - und heute ein erfolgreiches Unternehmen mit einem Umsatz von 55 Millionen Euro leitet: die Kinowelt International GmbH mit Sitz an der Pleiße.

Den Grundstein seines Unternehmens legte Kölmel schon als Jugendlicher in Göttingen, seiner Unistadt. Als Student führte er Kommilitonen nach Vorlesungsende im Hörsaal Filme vor und leitete ein Programmkino. Er verkaufte sein Auto, um sich erstmals die Verleihrechte an einem Film zu sichern, und gründete 1984 zusammen mit seinem Bruder Rainer den Kinowelt Filmverleih. Seine Universitätslaufbahn hängte Kölmel trotz eines Doktors in Volkswirtschaft an den Nagel. Was aus dieser Entscheidung folgte, schrieb in Deutschland Börsengeschichte: Aus Kölmels Filmverleih wird ein "Wunderkind der deutschen Filmwirtschaft" (Zitat: Brand eins). Die Kinowelt AG konzentrierte sich nicht nur auf den Filmverleih, sondern knüpfte daran eine lange Verwertungskette aus Kino-, Fernseh- und Sportrechten durch insgesamt rund 60 Tochtergesellschaften. Doch diese langfristig angelegte Strategie funktionierte nicht am Neuen Markt. Als Kölmel im Wettbewerb mit Bertelsmann und Kirch 1999 ein Filmpaket der Warner Bros. für rund 300 Millionen erwarb, blieb er darauf sitzen, anstatt es gewinnträchtig zu vermarkten. Auch mit der Verwertung von Sportrechten hatte sich der risikofreudige Unternehmer verkalkuliert. Die Schulden stiegen, die Gläubiger wurden nervös. Es folgte ein Totalabsturz an der Börse und ein Insolvenzverfahren.

Hier hätte die Geschichte der Kinowelt AG enden können, doch es wurde eine Fortsetzung gedreht - mit Kölmels Rückkauf des größten Teils seiner Filme aus der Insolvenzmasse. Die Sparkasse Leipzig steuerte den nötigen Kredit bei, und die neugegründete Kinowelt GmbH verlegte ihren Unternehmenssitz von München an die Pleiße. Kölmels Resümee aus der Pleite: "Ich will wachsen, aber Zug um Zug und nur noch aus dem eigenen Cashflow." Heute ist die Kinowelt GmbH wieder die fünftgrößte Filmverleihfirma in Deutschland - und Kölmel mehr denn je überzeugt vom Erfolg seiner Idee aus Jugendzeiten. Derzeit profitiert er vor allem vom DVD-Boom: Mit seiner Strategie, die Rechte an DVD-Veröffentlichungen zu kaufen, anstatt in Pay-TV oder Video on Demand zu investieren, hat er sich wieder nach vorne gearbeitet. Über die Hälfte des DVD-Absatzes läuft mit älteren Filmen - auf die die Kinowelt schon immer besonderes Augenmerk gelegt hat. Im Besitz des Verleihs befinden sich beispielsweise Klassiker von Wenders oder Fassbinder und Dauerbrenner wie die "Sissi"-Reihe.

Ein kleiner Wehrmutstropfen bleibt dem Filmhändler: Es ist die Tatsache, dass sich Kölmel die Rechte für die gesamte "Herr der Ringe"-Trilogie gesichert hatte, lange bevor sie in die Kinos kam. Als aber bekannt wurde, dass die Kinowelt in Zahlungsschwierigkeiten steckt, sind die Rechte zurückgefallen. Michael Kölmel glaubt bis heute fest daran, dass ihm diese drei Filme einigen Ärger hätten ersparen können. Diese und viele weitere Erfahrungen aus seinem bewegten Werdegang wird er ab dem kommenden Wintersemester am Leipziger Institut für Medienwissenschaften an den Branchennachwuchs weitergeben - in seinem Seminar zum Thema Filmwirtschaft.
Michael.Koelmel@tf-slm.de

Mit Sims in die Hoehle


"ICH HABE MEIN HAUSTIER mit dem `Freund-Zauber` in einen Menschen verwandelt - kann ich das rückgängig machen? Nein, das Tier bleibt für immer ein Mensch. Woher kriege ich die Zauberzutaten? Viele Zutaten kriegt man von den Händlern in der Stadt Magie. Woher bekomme ich einen Drachen? Was fressen Drachen?"

Diese allgemein interessierenden Fragen und irritierenden Antworten auf einer Forumseite im Internet entstammen dem Leben mit der Familie Sims, die im Computer wohnt und vom Spieler endlich so behandelt werden kann, wie man seine Umwelt einschließlich der Mitmenschen eigentlich immer behandeln möchte: per Knopfdruck leiten, locken, lehren, lieben. Deshalb erfreut sich die Familie Sims weltweit größter Beliebtheit unter unzähligen Computerspielern und ist einsamer Favorit unter den Spielen selbst. Es reizt eben, eine ganze Familie auf dem Bildschirm im Griff zu haben und endlich frei zu sein von allen menschenmöglichen Rücksichten. Bei den Simsens wird nicht geschossen, höchstenfalls gehustet und geniest. Wem ist nach seiner Bekanntschaft mit den Sims das Computerspiel an sich und seine -zig-millionenfache Verbreitung noch ein Geheimnis? Das ganze Bedürfnis fängt doch bei der Höhlenzeichnung an: Neben die schnöde, vergängliche Wirklichkeit wird eine bleibende gesetzt, die ich nach meinem Sinnen und Trachten gestalte. Das vorläufige Ende der Fahnenstange ist nun das Spiel im Computer, der ja auch eine Art Höhle darstellt: Etwas Dunkelheit unterstützt die Grafikwirkung, der Spieler braucht wenig Bewegungsraum. Inhalt, Umfang und Zeit seiner Nahrungsaufnahme können auf das Nötigste reduziert werden. Es handelt sich zudem noch um eine Höhle des 21. Jahrhunderts: Kein bissiger Rauch vom feuchten Herdholz lässt die Augen tränen, keine wilden Tiere fauchen unerwartet in den Nacken und im Fell gibt´s keine Läuse. Der über Jahrmillionen pfiffig-tüftelnde Mensch hat die Sims und die ganze virtuelle Welt gewollt und hat sie sich jetzt geschaffen. Wir können später stolz sagen: Wir sind dabei gewesen! Es gibt wirklich keinen Grund zur Aufregung.

Sollte die allzu menschliche Spielesucht doch mal über die Stränge schlagen wollen, so haben wir immer noch die "Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle" und die "Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter". Die wissen dann schon, welcher Alterszielgruppe sie "Blazing Angels Squadrons", "Demolition Girl", "Exit" und so weiter vorenthalten oder nicht. Die Höhle unseres Jahrhunderts ist sicher, trocken und warm! Caroline

Dialog mit Medienmachern


ALS EINZIGE Landesmedienanstalt in Deutschland hat die Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien seit einigen Jahren einen Ausschuss ihrer Versammlung etabliert, der sich neben Fragen der Medienkompetenz auch mit Problemen der Medienethik befasst. Die Geschäftsordnung der Versammlung schreibt dem Ausschuss Medienkompetenz und Medienethik - kurz AMM - als Aufgabe vor: "Medienkompetenz unter Berücksichtigung der Medienethik und ihrer weiteren Entwicklung durch Erarbeitung von Vorschlägen zur Förderung medienpädagogischer Maßnahmen" voranzubringen.

Während sich die beiden anderen Ausschüsse mit aktuellen Fragen der Technik beziehungsweise der Programmaufsicht befassen, ist die Aufgabe des AMM mehr prinzipieller Art. Besonders am Herzen liegt ihm die Entwicklung der Medienpädagogik - und hier besonders die Zusammenarbeit und Etablierung der Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanäle. Auch sie sind eine sächsische Besonderheit, wie auch andere Landesmedienanstalten ihre Besonderheiten haben. In diesem Zusammenhang ist es zu sehen, dass von diesem Ausschuss die Initiative zur Erstellung der Studie "Medienethische Qualitätskriterien" ausging. In der letzten Ausgabe der "themen + frequenzen" stellte der Autor, Prof. Dr. Klaus Beck, die Studie bereits vor. In ihr sind medienethische Prinzipien erarbeitet worden, die darauf abzielen, dass die Sender ihre Verhaltensweisen danach ausrichten und die Wirkung ihrer Sendungen besser abschätzen können. Die SLM wird die Studie im Rahmen ihrer Schriftenreihe, Band 15, veröffentlichen. Des Weiteren ist beabsichtigt, die Ergebnisse der Studie in der Veranstaltungsreihe "SLM im Gespräch" am 4. Mai vorzustellen. Auf ihrer Grundlage sollen handhabbare, knapp gefasste Zielvorstellungen erarbeitet werden.

Daneben wird der Ausschuss 2006 seine laufende Arbeit fortsetzen und wieder einige Rundfunkveranstalter, SAEKs und Schülerredaktionen besuchen, um mit den "Medienmachern" ins Gespräch zu kommen. Außerdem möchte sich der AMM beispielsweise über die "Spezifik medienpädagogischer Rezeptionsarbeit" und über eine Diplomarbeit zu "mobilen medienpädagogischen Initiativen" informieren. Ebenso ist der Start eines Projektes "Mobile Medienaktivitäten in Sachsen" geplant.

Dadurch soll es ermöglicht werden, dass Medienkompetenz nicht nur in größeren Städten, sondern auch auf dem Lande weiterentwickelt wird. Um bei dieser Arbeit voranzukommen, ist beabsichtigt, Lehrerfortbildungen anzubieten und dazu das Kultusministerium und die Regionalschulämter mit ins Boot zu holen. Die im Herbst zur Tradition gewordenen Jugendmedienschutztage der SLM werden auch in diesem Jahr angeboten. Der Ausschuss begleitet - wie schon in den Vorjahren - die Ausschreibung und Verleihung des Medienpädagogischen Preises. Schließlich ist ein Besuch in Sachsen-Anhalt geplant; dabei sollen mit den offenen Rundfunkkanälen Erfahrungen ausgetauscht werden, um wichtige Anregungen für die weitere Arbeit des Ausschusses zu erhalten.

On air gegen Entgeld


MIT SEINEM URTEIL vom 08.11.2005 hat der Kartellsenat des Bundesgerichtshofs - KZR 37/03 - einen vorläufigen Schlusspunkt im Streit um Hörfunk-Übertragungen aus Bundesligastadien gesetzt - vorläufig, weil Verfassungsbeschwerde eingelegt ist. Geklagt hatte ein privater Hamburger Rundfunkveranstalter. Er hatte seit 1986 in aktuellen Zusammenfassungen und kurzen Live-Berichten über die Heimspiele der "beiden überregional bekannten Hamburger Fußballvereine" (BGH), also des seit unvordenklichen Zeiten mit wechselndem Erfolg in der
1. Bundesliga spielenden HSV und des zwischen den Ligen pendelnden FC St. Pauli, berichtet. Erstmals 2001/2002 verlangte der Veranstalter eine Vergütung. Die Klage des Radiosenders blieb in allen drei Instanzen erfolglos.

Das Verfahren hat Präzedenzcharakter. Es geht um das Recht der Veranstalter, den Zutritt der Reporter von einem Entgelt für die Erlaubnis abhängig zu machen, zu bestimmten Zeiten, in bestimmtem Umfang und unter bestimmten Bedingungen aus dem Stadion berichten und Interviews führen und senden zu dürfen. Die Bundesliga und ihre Vereine gehen von Hörfunkrechten aus, deren Verwertung ihnen zusteht - die Rundfunkveranstalter bestreiten dies. Sie berufen sich darauf, dass eine umfassende Berichterstattung, wie sie Art. 5 GG fordert, die Einbeziehung von Sportereignissen bedingt - dies wird vom BGH auch zu Recht betont. Es geht hierbei keineswegs nur um das wirtschaftliche Interesse der Rundfunkveranstalter, kostengünstig an Inhalte zu gelangen. Es geht auch um die grundsätzliche Frage, inwieweit der Veranstalter eines Ereignisses die Berichterstattung nur zu seinen Bedingungen zu gestatten braucht. Zunächst freilich gilt: Der Veranstalter eines Fußballspiels hat das Hausrecht. Es gestattet seinem Inhaber, selbst frei darüber zu entscheiden, wem er zu welchen Bedingungen Zutritt zu einer Örtlichkeit gestatten will. Er ist auch berechtigt, die Rundfunkberichterstattung aus dem Stadion von der Entrichtung eines Entgelts abhängig zu machen. Dies anerkennt auch der BGH ausdrücklich in seinem Urteil vom 08.11.2005. Mit Entgelt ist hier nicht etwa der bloße Eintrittspreis gemeint und auch nicht ein bloßer Aufwendungsersatz, vielmehr die Abgeltung des wirtschaftlichen Werts, den die Berichterstattung für den Rundfunksender hat. Denn dieser wurde zunächst vom Verein bzw. der Liga geschaffen.

Die Veranstalter von Sportereignissen unterliegen hierbei jedoch den Schranken des Wettbewerbsrechts. Der BGH schreibt ihnen jeweils für ihren Bereich eine marktbeherrschende Stellung zu. Deshalb gilt für sie das Verbot der "unbilligen" Behinderung und der sachlich nicht gerechtfertigten Ungleichbehandlung nach § 20 Abs. 1 GWB sowie das Verbot des § 19 Abs. 1 und 4 Nr. 2 GWB, eine marktbeherrschende Stellung durch die Forderung von Entgelten missbräuchlich auszunutzen. Ob Forderungen "missbräuchlich" sind, ob eine "unbillige" Behinderung vorliegt, dies sind Wertungsfragen. Bei ihrer Beantwortung ist insbesondere dem Umstand Rechnung zu tragen, dass es hier nicht um eine beliebige Dienstleistung geht, sondern um das Grundrecht der Rundfunkfreiheit. Die geforderten Entgelte müssen daher angemessen sein. Vor allem aber darf das Recht zur Rundfunkberichterstattung nicht an Bedingungen geknüpft werden, die die Freiheit der Berichterstattung selbst einschränken - "Hofberichterstattung" darf nicht gefordert werden. So sieht dies auch der BGH und nicht anders sieht es auch das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil zur Kurzberichterstattung im Fernsehen aus dem Jahr 1998. Einen Freibrief für die Veranstalter bedeutet das Urteil des Bundesgerichtshofs nicht. Der dort erzielte Ausgleich zwischen den berechtigten Interessen der Veranstalter von Sportereignissen an der Verwertung der von ihnen geschaffenen wirtschaftlichen Werte und den Interessen der Rundfunkbetreiber an ungehinderter Berichterstattung erscheint sachgerecht; er liegt letztlich in der Konsequenz der zunehmenden Kommerzialisierung des Rundfunks einerseits, des Profisports andererseits.
Christoph.Degenhardt@tf-slm.de

Mehr Emotionen wecken


themen + frequenzen: Herr Meyer, der Computerspielemarkt wächst ständig. Welche Art von Spielen wird am stärksten nachgefragt?

Die Interessen der Spieler sind relativ beständig – besonders beliebt sind Renn- und Strategiespiele, Beziehungssimulationen sowie Ego-Shooter, die rasanten Ballerspiele. 2005 kam ein Genre zu seinem großen Durchbruch: Online-Rollenspiele, in denen eine riesige virtuelle Welt mit tausenden anderen Mitspielern geteilt wird. Ebenfalls an Bedeutung haben Bewegungs- und Partyspiele gewonnen wie zum Beispiel Karaoke.

themen + frequenzen: Die Vorwürfe gegen die Branche gehen häufig in Richtung Jugendgefährdung durch Gewaltdarstellung. Wie stark sehen sich die Spieleentwickler und -anbieter Ihrer Erfahrung nach in der Verantwortung?

Auch Computerspiele brauchen eine Altersempfehlung. Ab 18 Jahren freigegebene Spiele unterliegen Verkaufsbeschränkungen, die sich auf den Umsatz auswirken. Die Hersteller sind bereits aus finanziellen Gründen genötigt, ihre Spiele den besonders strengen deutschen Jugendschutzbestimmungen anzupassen, die Gewalt abzumindern. Auch die öffentliche Diskussion und der Wunsch der Hersteller, dass ihr Medium ernst genommen wird, sorgt für Sensibilisierung.

themen + frequenzen: Ist die aktuelle Hysterie um Ego-Shooter gerechtfertigt?

Die Gewaltdiskussion gibt es seit 30 Jahren, und ein Ergebnis ist nicht in Sicht. Diese Sorgen scheinen vor allem Nichtspieler zu beschäftigen. Freilich sollten Eltern ihren Kindern über die Schulter schauen und darauf achten, dass Spielen im ausgewogenen Verhältnis zu anderen Freizeitaktivitäten steht. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Computerspiele genauso akzeptiert werden, wie anderes Spielzeug. In Fernost etwa ist elektronische Unterhaltung längst akzeptierter Teil der Lebenskultur.

themen + frequenzen: Werden Computerspiele als Marketinginstrument an Bedeutung gewinnen?

Spiele werden schon lange für Werbezwecke eingesetzt. Damals als kostenlose Beigabe mit Reklamebotschaft, heute eher, um Besucher auf Websites von Unternehmen zu locken. Auf der anderen Seite wirkt es für den Spieler authentischer, wenn er in einem Rennspiel in einen Sportwagen steigen oder in einer Fußballsimulation seine Lieblingsmannschaft steuern kann. Mittlerweile gibt es erste Dienstleister, die Werbebotschaften in Spiele einblenden. Zukünftig wird es in virtuellen Städten echte Werbeplakate geben, und die Spielfigur wird beim Autofahren Radiospots hören.

themen und frequenzen: Zum Abschluss einen Ausblick: Wohin wird sich der Online-Spiele-Markt entwickeln?

Normalerweise wird ein Spiel in wenigen Tagen durchgespielt. Doch epische Rollenspiele werden mehrere Jahre programmiert und müssen auch nach Verkaufsstart aufwendig betreut und weiterentwickelt werden. Das rechnet sich nur bei einer monatlichen Gebühr und dem Binden der Spieler als Abonnenten. Ein Anreiz dazu kann nicht allein sein, die Spielewelt ständig zu vergrößern. Es erfordert eine starke emotionale Bindung, vor allem durch das Vermischen von Spielelementen mit der Realität. So können bereits heute virtuelle Gegenstände mit echtem Geld erworben werden, und Ereignisse wie Silvester lassen sich mit anderen Teilnehmern vor dem Bildschirm erleben. Der Markt dürfte sich auf wenige Titel konzentrieren, die Einsteigern wie Profis Unterhaltung bieten sowie ein großes Angebot an Zeitvertreib und Interaktion.
Rene.Meyer@tf-slm.de

Schutz vor Killerspielen


DAMIT NICHT jedes Spiel,das die Games-Branche produziert, auch seinen Weg in die Jugendzimmer der Republik findet, halten verschiedene Institutionen Wacht. Sie verbannen jugendgefährdende Exemplare der Spezies elektronische Unterhaltungsmedien ins virtuelle Nirvana: auf den Index. Erstellt wird dieser von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien(BPJM)mit Sitz in Bonn. Sie ist eine selbstständige Bundesoberbehörde mit eigenem Haushalt und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) nachgeordnet. Darüber hinaus hat die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) ein wachsames Auge auf Medieninhalte. Ihr wurde vom Gesetzgeber die Aufsicht über den privaten Rundfunk und Telemedien übertragen.

themen + frequenzen: Frau Weigand, neueste Studien sprechen von einer Zunahme der Internetkriminalität. Wo muss es Ihrer Ansicht nach Verbesserungen geben, um Kinder und Jugendliche vor schädigendem Inhalt zu schützen?

Internetkriminalität umfasst viele unterschiedliche Sachverhalte. Daher gibt es unterschiedliche Zuständigkeiten: Polizei, Staatsanwaltschaft, Kommission für Jugendmedienschutz (KJM), Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien und die Initiative jugendschutz.net arbeiten im Inland auf diesem Feld zusammen. Bei ausländischen Angeboten werden auf internationaler Ebene nur die Taten verfolgt, über deren Strafbarkeit Einigkeit besteht. Hier sind vor allem die Eltern gefragt, zu deren Verantwortung es gehört, über die Mediennutzung ihrer Kinder Bescheid zu wissen.

themen + frequenzen: Wann begibt sich ein User in eine rechtliche Grauzone - schon, wenn er sich ein Spiel legal aus dem Ausland über das Internet herunterlädt?

User begeben sich beim Herunterladen von Dateien - Musik, Spiele und so weiter - vor allem im Hinblick auf das Urheberrecht in eine Grauzone. Die KJM hat allerdings nicht die User im Blick, sondern betreibt Verfahren gegen die Anbieter von Inhalten, die entweder unzulässig sind oder Kinder und Jugendliche gefährden oder beeinträchtigen können.

themen + frequenzen: Die neue Regierung will ein novelliertes Jugendschutzgesetz mit dem Verbot von Killerspielen. Wie beurteilt die KJM dieses Vorhaben?

Die KJM begrüßt es ausdrücklich, dass das Thema Jugendschutz in der neuen Regierung einen so hohen Stellenwert hat, und dass es Bestandteil des Koalitionsvertrags ist. Der Begriff "Killerspiel" ist allerdings sehr weit gefasst und müsste im Hinblick auf weitere Einschränkungen genauer definiert werden. Eine ganze Reihe dieser Killerspiele sind bereits jetzt indiziert oder für Kinder und Jugendliche nicht freigegeben.
Verena.Weigand@tf-slm.de

Eltern an den Joystick


themen + frequenzen: Professor Warkus, Sie beobachten Jugendliche als Nutzer von Computer- und Online-Spielen. Was interessiert Sie daran?

Im Gegensatz zu den Wissenschaftlern, die sich mit der Gewalt in den Spielen beschäftigen - und damit, wie sie bei Jugendlichen ankommt, verfolgen wir einen anderen Ansatz: die Frage, welche Kompetenzen durch Computerspiele angelegt werden. Dabei geht es vor allem um jene Fähigkeiten, die man "strategisches Denken" nennt. Das ist wie beim Schach: vorausschauendes Denken, Handlungsfolgen absehen, Aktion und Reaktion. Dinge, die man auch in der Schule gut gebrauchen kann. Solche Fähigkeiten sind vor allem in Strategiespielen gefordert. Leider ist dies bisher wenig erforscht, der Gewaltaspekt steht im Vordergrund und wird von den Medien oft aufgegriffen.

themen + frequenzen: Wie sieht es mit den viel umstrittenen so genannten Ego-Shootern aus?

Man kann ihnen vorwerfen, dass mit Gewalt gespielt wird. Das heißt aber noch nicht, dass diese Games gewaltverherrlichend sind. Man muss nämlich auch sehen, dass Kinder, die in einem behüteten Elternhaus aufwachsen, Ballerspiele eher links liegen lassen, weil sie ihnen schlichtweg zu eintönig sind.

themen + frequenzen: Eltern haben oft ein Problem damit, dass Kinder sehr viel Zeit vor dem PC verbringen.Gibt es bei PC- und Online-Spielen tatsächlich ein Suchtpotenzial?

Online-Spiele haben ein großes Potenzial durch "Involvement": Sie ziehen den Spieler hinein. Es werden riesige Welten aufgebaut, man muss knifflige Aufgaben lösen. Kurzum: Man spielt sehr lange. Ist das eine Sucht? Diese "negative" Seite hat auch etwas Positives: die Notwendigkeit, sich mit Mitspielern zu verabreden, um bestimmte Missionen zu lösen. Wer aussteigt, lässt die Gruppe im Stich. Für einen Aussenstehenden macht ein solcher Spieler den Eindruck, spielsüchtig zu sein.

themen + frequenzen: Können solche Vorurteile abgebaut werden?

Nur durch Aufklärung, Information und "Selbermachen".Ich rate Eltern und Lehrern, sich mit den Spielen zu beschäftigen, um die Kinder zu verstehen. Leider trauen sich viele nicht heran, weil sie die Technik nicht mehr überschauen. Viele Spiele erfordern eine unheimlich schnelle Reaktionszeit. Das kann nur ein junger Mensch leisten. Deshalb sollte man sich hinsetzen und sich Taktiken und Strategien erklären lassen. Sie werden feststellen: Es geht dem Spieler nicht um Gewalt, sondern um die Herausforderung gegen den Computer. Erkenntnisse dieser Art fördern wir zum Beispiel, indem wir Spielenächte für Eltern und Lehrer veranstalten. Die Resonanz ist enorm - nur Lehrer dürften noch etwas mehr kommen.
Hartmut.Warkus@tf-slm.de

Radio von der Pike auf

AUCH BEI IHM WAR ES die typische "Berufskrankheit", die ihn zum Journalismus brachte: Der Drang, alles erfahren zu wollen, neugierig zu sein und zu hinterfragen, was als Realität gilt, ließ Peter Zimmermann den Weg in die Medien einschlagen. "Der Journalist besitzt die Möglichkeit, mit seinen Fragen und Antworten die Wirklichkeit zu gestalten", bringt er sein Verständnis vom Beruf auf den Punkt. Der gebürtige Bautzener kam mit 20 Jahren zum Dresdner Radio 103.5, damals noch im alten Funkhaus an der Mohorner Straße. Das Praktikum war der Einstieg in die Radiowelt, um die er seine steile Karriere angelegt hat. Gerade mal zehn Jahre sind seither vergangen.

Die Arbeit "an der Basis" ist ihm daher auch noch lebhaft in Erinnerung - besonders diverse Pannen lassen sich nicht so leicht vergessen: "Ich saß bei einem meiner ersten Promi-Interviews mit Heinz-Rudolf Kunze in einem Dresdner Hotel. Der Meister hatte erst gegen 23 Uhr für mich Zeit gehabt, rauchte wie ein Schlot und war ziemlich betrunken. Kurz vor dem Gespräch stellte ich fest, dass die Batterien meines Aufnahmegerätes leer waren. Ich führte das Interview trotzdem und war froh, dass Heinz Rudolf Kunze an diesem Abend nur Dinge erzählte, die wohl ausschließlich er selbst verstanden hat." Der Liedermacher ist einer von zahlreichen Prominenten, die Zimmermann in seiner Radio-Zeit kennengelernt hat. Aus den Begegnungen Geschichten zu machen, immer neue Situationen zu erleben, ist die belebende Quintessenz des Reporters - und auch für den LandesWelle-Chef Grund für einen erfreulichen Rückblick. Dass bei einer Vor-Ort-Reportage "zumindest beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk auch immer noch Zeit für einen kleinen Abstecher in die Gegend war", mag er heute so manches Mal bei der Koordination seiner Aufgaben und Ämter denken. Damals so wichtig wie heute ist Peter Zimmermann die Möglichkeit, in seinem Beruf "zu gestalten". Heute fährt er nicht mehr über die Dörfer mit dem Aufnahmegerät in der Tasche. Aber auch in leitender Funktion bei einem Radiounternehmen ist es ihm wichtig, die Sichtweise der Journalisten zu kennen: "Meistens bringen Menschen, die nicht von der journalistischen Seite kommen, ganz interessante Ansätze und Ideen zur Weiterentwicklung der Medien ein, sind gewissermaßen ein Innovationsmotor. Sie sollten aber bereit sein, auch von den Journalisten zu lernen und Verständnis für diesen Beruf zu entwickeln."

Was ist eigentlich die Faszination am Radio? Zimmermann vergleicht es mit einer flüchtigen Bekanntschaft in der Straßenbahn: "Stellen Sie sich vor, Sie haben sich in jemanden verliebt, den Sie nicht kennen, aber jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit in der Straßenbahn vorbeifahren sehen. Jeden Tag erhoffen Sie sich einen Blick, ein Lächeln, irgendein Zeichen. Irgendwann kommt es, aber Sie können die Bahn nicht anhalten. Jeden Tag aufs Neue empfinden Sie Hoffnung, Spannung, manchmal Freude und Erfüllung - wissen nie so recht was passiert. Wie im Radio. Radio ist für mich das emotionalste und phantasievollste Medium, auch hinter den Kulissen. Auch wenn man die meisten Arbeitsbereiche im Radio aus eigenem Tun kennt: Wer Glück hat, erhält sich die Faszination." Und hinter den Kulissen weiß Zimmermann genauestens Bescheid - dank seiner Erfahrungen bei den Privaten und den Öffentlich-Rechtlichen. Während für ihn die Arbeit im Privatfunk "schnell, unmittelbar und klar fokussiert" ist, weil sie "eindeutigen, meist unternehmerischen Zielsetzungen folgt" sieht er die Ziele durch den öffentlich-rechtlichen Auftrag anders definiert: "Das ist oft so vielfältig wie die Gesellschaft selbst." Stimmt. Aber wo ist das Problem? Zimmermann, wird deutlicher: "Schwierig wird es immer dann, wenn von der Gesellschaft durch Gebühren finanzierte öffentlich-rechtliche Sender versuchen, Ziele und Mittel des Privatfunks für sich anzuwenden. Es liegt in der Natur der Sache, dass das nicht funktionieren kann."
Peter.Zimmermann@tf-slm.de

Editorial zum DVB-T-Start

In den Ballungsräumen Erfurt/Weimar und Leipzig/ Halle startet das digitale terrestrische Fernsehen (DVB-T) am 5. Dezember. Dann werden zumindest Teile der mitteldeutschen Bevölkerung TV-Programme in digitaler Qualität auch per Antenne empfangen. Theoretisch könnten an jedem Standort 24 Programme verbreitet werden. Leider bleibt das Angebot zunächst auf öffentlich-rechtliche Programme beschränkt, weil sich die großen privaten Anbieter aus wirtschaftlichen Gründen noch zurück halten. Es braucht also noch Zeit bis das ÜberallFernsehen auch in Mitteldeutschland eine wirkliche Alternative zur Satelliten- und Kabelübertragung bietet. In anderen Regionen ist DVB-T schon erfolgreich gestartet. Ob sich dieser Siegeszug auch in Mitteldeutschland forstsetzt, lässt sich noch nicht abschätzen. Zumindest stimmt die Pilotstudie von Corsa, Schubert und Schütze hoffnungsvoll. Danach wollen 22 Prozent der Mitteldeutschen DVB-T gleich zum Sendestart nutzen, weitere 24 Prozent signalisierten großes Interesse. Es ist nur zu wünschen, dass allen voran die privaten Fernsehveranstalter, die DVB-T-Verantwortlichen, und die DVB-THändler diese Chance in Mitteldeutschland nutzen und zum Erfolg führen.