MMS Friends

Das wichtigste Publikationsprojekt der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien ist die kontinuierliche Herausgabe des Magazins "themen + frequenzen". Es erscheint vierteljährlich in einer Auflage von 3.500 Exemplaren. Das 4iMEDIA Journalistenbüro unterstützt die SLM durch die Gesamtproduktion der Zeitschrift.

Dieser Infoblog ist eine reine Textdarstellung ausgewählter Magazininhalte. Sie erreichen die Redaktion über nachfolgende Adresse oder Direktlink zur offiziellen Homepage. Herausgeber ist das 4iMEDIA Journalistenbüro Leipzig. Sie erreichen uns über nachfolgende Adresse oder Direktlink zur offiziellen Homepage.

-------------------------------------------------------
4iMEDIA Journalistenbüro Leipzig
Geschäftsbereich Corporate Publishing
Reclam-Carreé . Kreuzstraße 7A
04103 Leipzig
Tel +49 (0) 341 870 98 40
Internet: www.4iMEDIA.com
-------------------------------------------------------
-------------------------------------------------------
Zur Startseite


Gegen Einbahnstraßen


VOR WENIGEN WOCHEN FEIERTE Michael Haller seinen 60. Geburtstag. Doch wo andere in den Vorruhestand gehen, denkt der Leipziger Journalistik-Professor gar nicht daran, beruflich kürzer zu treten. Mit unverminderter Energie widmet er sich dem Einsatz für ein ganz besonderes Gut: dem Qualitätsjournalismus. Denn den sieht der Geschäftsführende Leiter des Lehrstuhls für Allgemeine und Spezielle Journalistik an der Universität Leipzig akut gefährdet: "Wir haben im Rahmen einer Analyse festgestellt, dass die Zahl der Texte, die nur eine Quelle nennen, angestiegen ist. Hier sind wir beim "Einbahnstraßenjournalismus" angekommen. Ich sehe darin eine Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht. Und die Medien sägen damit an dem Ast, auf dem sie sitzen", sagt Haller zum Qualitätsnotstand in den Redaktionen der Republik.

Doch weil Jammern angesichts aktueller Entwicklungen - von Konzentrationstendenzen in den Medienhäusern über Personalabbau in den Redaktionen bis hin zur verstärkten Verflechtung von PR und Journalismus - wenig nützt, setzt sich Michael Haller aktiv für mehr Qualität in der journalistischen Medienmache ein. Hierzu hat er als Wissenschaftlicher Direktor des "Instituts für Praktische Journalismusforschung" (IPJ) ein Forschungsprogramm aufgelegt und verschiedene Instrumente für Qualitätsmanagement in Tageszeitungen entwickelt. Aber auch in der Sensibilisierung des journalistischen Nachwuchses und der Verbindung von Theorie und Praxis sieht der Journalismus-Experte den richtigen Weg zur Bewältigung der Qualitätskrise im zeitgenössischen deutschen Journalismus.

Deshalb finden sich in Hallers Portfolio neben zahlreichen Forschungen und wegweisenden Studien auch viele ganz konkrete Handlungsanweisungen an Redakteure, Texter und all jene, die auf journalistische Schreibe setzen. In Form von Buchreihen, die zu Standardwerken der journalistischen Ausbildung geworden sind, mittels der von ihm herausgegebenen internationalen Fachzeitschrift "message" und in diversen Fachvorträgen belegt Haller die Notwendigkeit - und die Möglichkeit - hochwertige journalistische Arbeit zu leisten.

Und der 60-Jährige ist dabei nicht allein: Ein Netzwerk aus Wissenschaftlern, Autoren und Journalisten unterstützt seine Plädoyers für mehr Sorgfalt und eine Rückbesinnung auf bewährte journalistische Werte mit Beiträgen aus Theorie und Praxis der Medienarbeit. Als Strategie gegen fortschreitenden "Einbahnstraßenjournalismus" plädiert Haller vor allem für eines: die Stärkung der Fachkompetenz in den Redaktionen. "Die Infrastruktur der Redaktionen muss neu aufgebaut, die redaktionelle Unabhängigkeit gegenüber den Werbekunden gestärkt werden. Handwerkliche Professionalität und ein solides Berufsethos müssen wieder im Vordergrund stehen. Anderenfalls wird der Journalismus von den PR-Profis mit ihren zunehmend raffinierten Themeninszenierungen überrollt", fasst der Experte zusammen.

Dass Hallers Qualitätsanspruch nicht realitätsfernen Theorien, sondern handfesten Kenntnissen über das Medienmachen entspringt, wird beim Blick auf seinen Werdegang deutlich: Während eines Praktikums bei der Badischen Zeitung entdeckte der Gymnasiast seine Leidenschaft für den Journalismus. Nach Studienabschluss und Promotion folgte eine journalistische Bilderbuchkarriere: Von der "Basler Zeitung" über die "Weltwoche" bis zum "Spiegel" und der "Zeit" führte ihn seine Redakteurslaufbahn – bis ihn 1993 ein Ruf an die Universität Leipzig holte, um dort den renommierten Diplomstudiengang Journalistik neu aufzubauen.

Doch nicht nur im Beruf, auch privat schlägt der Wahl-Hamburger eher klassische Töne an: Mit Brahms, Monteverdi und eigenen Klängen aus seiner Querflöte lenkt er sich vom Kampf um traditionelle Werte ab. Neben der Musik und gelegentlichen Ausflügen in die Schweizer Berge weiß Haller privat vor allem etwas zu schätzen, was er beruflich oft schmerzhaft vermisst: gute Reportagen.
Michael.Haller@tf-slm.de