AUCH BEI IHM WAR ES die typische "Berufskrankheit", die ihn zum Journalismus brachte: Der Drang, alles erfahren zu wollen, neugierig zu sein und zu hinterfragen, was als Realität gilt, ließ Peter Zimmermann den Weg in die Medien einschlagen. "Der Journalist besitzt die Möglichkeit, mit seinen Fragen und Antworten die Wirklichkeit zu gestalten", bringt er sein Verständnis vom Beruf auf den Punkt. Der gebürtige Bautzener kam mit 20 Jahren zum Dresdner Radio 103.5, damals noch im alten Funkhaus an der Mohorner Straße. Das Praktikum war der Einstieg in die Radiowelt, um die er seine steile Karriere angelegt hat. Gerade mal zehn Jahre sind seither vergangen.
Die Arbeit "an der Basis" ist ihm daher auch noch lebhaft in Erinnerung - besonders diverse Pannen lassen sich nicht so leicht vergessen: "Ich saß bei einem meiner ersten Promi-Interviews mit Heinz-Rudolf Kunze in einem Dresdner Hotel. Der Meister hatte erst gegen 23 Uhr für mich Zeit gehabt, rauchte wie ein Schlot und war ziemlich betrunken. Kurz vor dem Gespräch stellte ich fest, dass die Batterien meines Aufnahmegerätes leer waren. Ich führte das Interview trotzdem und war froh, dass Heinz Rudolf Kunze an diesem Abend nur Dinge erzählte, die wohl ausschließlich er selbst verstanden hat." Der Liedermacher ist einer von zahlreichen Prominenten, die Zimmermann in seiner Radio-Zeit kennengelernt hat. Aus den Begegnungen Geschichten zu machen, immer neue Situationen zu erleben, ist die belebende Quintessenz des Reporters - und auch für den LandesWelle-Chef Grund für einen erfreulichen Rückblick. Dass bei einer Vor-Ort-Reportage "zumindest beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk auch immer noch Zeit für einen kleinen Abstecher in die Gegend war", mag er heute so manches Mal bei der Koordination seiner Aufgaben und Ämter denken. Damals so wichtig wie heute ist Peter Zimmermann die Möglichkeit, in seinem Beruf "zu gestalten". Heute fährt er nicht mehr über die Dörfer mit dem Aufnahmegerät in der Tasche. Aber auch in leitender Funktion bei einem Radiounternehmen ist es ihm wichtig, die Sichtweise der Journalisten zu kennen: "Meistens bringen Menschen, die nicht von der journalistischen Seite kommen, ganz interessante Ansätze und Ideen zur Weiterentwicklung der Medien ein, sind gewissermaßen ein Innovationsmotor. Sie sollten aber bereit sein, auch von den Journalisten zu lernen und Verständnis für diesen Beruf zu entwickeln."
Was ist eigentlich die Faszination am Radio? Zimmermann vergleicht es mit einer flüchtigen Bekanntschaft in der Straßenbahn: "Stellen Sie sich vor, Sie haben sich in jemanden verliebt, den Sie nicht kennen, aber jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit in der Straßenbahn vorbeifahren sehen. Jeden Tag erhoffen Sie sich einen Blick, ein Lächeln, irgendein Zeichen. Irgendwann kommt es, aber Sie können die Bahn nicht anhalten. Jeden Tag aufs Neue empfinden Sie Hoffnung, Spannung, manchmal Freude und Erfüllung - wissen nie so recht was passiert. Wie im Radio. Radio ist für mich das emotionalste und phantasievollste Medium, auch hinter den Kulissen. Auch wenn man die meisten Arbeitsbereiche im Radio aus eigenem Tun kennt: Wer Glück hat, erhält sich die Faszination." Und hinter den Kulissen weiß Zimmermann genauestens Bescheid - dank seiner Erfahrungen bei den Privaten und den Öffentlich-Rechtlichen. Während für ihn die Arbeit im Privatfunk "schnell, unmittelbar und klar fokussiert" ist, weil sie "eindeutigen, meist unternehmerischen Zielsetzungen folgt" sieht er die Ziele durch den öffentlich-rechtlichen Auftrag anders definiert: "Das ist oft so vielfältig wie die Gesellschaft selbst." Stimmt. Aber wo ist das Problem? Zimmermann, wird deutlicher: "Schwierig wird es immer dann, wenn von der Gesellschaft durch Gebühren finanzierte öffentlich-rechtliche Sender versuchen, Ziele und Mittel des Privatfunks für sich anzuwenden. Es liegt in der Natur der Sache, dass das nicht funktionieren kann."
Peter.Zimmermann@tf-slm.de
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